Köln - Die unglaublichen Bilder von "Hubble" haben dazu beigetragen, dass viele Menschen sich für Astronomie interessieren. Einige der mehr als eine Million Beobachtungen des Weltraumteleskops zeigt jetzt der Band "Expanding Universe".

Jede einzelne Aufnahme lässt staunen - und macht in der gesammelten Wucht der Eindrücke deutlich, welche Galerie des Wissens und der Wunder wir "Hubble" verdanken.

Am 24. April 1990 hob die Weltraumfähre "Discovery" mit "Hubble" an Bord vom Kennedy Space Center ab. Ihm sei durchaus bewusst gewesen, dass "Hubble" Ansichten von bisher unbekannten Orten und Phänomen liefern würde, schreibt Charles Bolden, Pilot der Startmission, im Vorwort des Buches. "Aber wir hatten keine Vorstellung davon, in welchem Maße das erste im Weltraum stationierte Teleskop uns den Blick auf die unvorstellbare Weite und Schönheit des Universums eröffnen würde."

Im Buch wird der holprige Start des Teleskops beschrieben, dessen 2,4 Meter großer Hauptspiegel sich als falsch geschliffen erwies. Das Superteleskop hatte einen Sehfehler. Der ließ sich zwar herausrechnen, das aber verschlechterte die Detailgenauigkeit des Milliarden-Dollar-Instruments. Drei Jahre später bekam "Hubble" dann eine Korrekturoptik verpasst.

Mit "Hubble" sei eine Weiche gestellt worden für "eine glückliche Verbindung aus wissenschaftlicher Offenbarung und visueller Pracht", schreibt Fotografie-Journalist Owen Edwards. Seine Bilder von Galaxien und sterbenden Sternen habe den Menschen das Universum vor die Haustür gebracht. "Und es fing die Schönheit im Chaos auf eine Weise ein, wie dies noch nie zuvor geschehen war."

"Hubble" ist ein Pionier - und das Instrument mit der bislang wohl größten wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Wirkung. Zusammen mit einer Flotte von Weltraumobservatorien hat es vier Jahrhunderte nach der Erfindung des Teleskops das Bild vom Kosmos erneut revolutioniert. "Hubble" hat geholfen, die Geburt von Sternen und Planeten aufzuklären, das Alter des Universums rund 13,8 Milliarden Jahre zu bestimmen und die mysteriöse Dunkle Energie zu untersuchen, die das Universum auseinander treibt.

Der Vorteil von Weltraumobservatorien ist, dass sie außerhalb der störenden, unruhigen Lufthülle unseres Planeten einen freien Blick in die Tiefen des Alls haben. Erst mit "Hubble" wurde es zum Beispiel möglich, einzelne Sterne in anderen Galaxien zu erkennen. Benannt wurde das Teleskop nach dem US-Astronomen Edwin Hubble (18891953), der in den 1920er Jahren die allgemeine Ausdehnung des Weltalls bewies und damit das Fundament für die Urknalltheorie legte.

Die schillernden Farbbilder im Buch sind meist eine rechnerische Kombination mehrerer Einzelaufnahmen in verschiedenen Wellenlängenbereichen. Die kompakten Begleittexte verdeutlichen in immer neuen Superlativen, wie tief "Hubbles" Blick ins All ist - und damit in die frühen Phasen unseres Universums. Galaxien mit der Masse von 800 Milliarden Sonnen werden gezeigt, die 13 Milliarden Lichtjahre entfernte bisher älteste entdeckte Sternenformation, die Geburt und der Tod von Sternen.

So mancher der erläuternden Texte ist recht blumig und bombastisch formuliert, der beeindruckenden Optik der großformatigen Bilder wirkt das aber durchaus angemessen. "Expanding Universe" ist weniger ein Buch zum Verstehen von Grundlagen als vielmehr eines zum Genießen einer wunderschönen Reise zu den "Hubble"-Highlights der vergangenen 25 Jahre.

- Owen Edwards, Zoltan Levay, Charles F. Bolden, Jr., John Mace Grunsfeld: Expanding Universe. Photographs from the Hubble Space Telescope, Mehrsprachige Ausgabe in Deutsch, Englisch und Französisch, Taschen Verlag, Köln, 2015, 260 Seiten, 49,99 Euro.