Norden - Wenn Klaus-Peter Wolf nach Langeoog reist, geht es ihm nicht um die Urlaubsidylle am Strand. Er sucht einen Ort für einen Mord. Natürlich nur auf dem Papier. Wolf schreibt Krimis, Ostfriesenkrimis um genau zu sein.

"Ich hab\' mal gesagt, ich lege auf jede Insel eine Leiche", sagt der 60-Jährige. Das eigentliche Verbrechen begeht er auf dem Festland, auf seiner Terrasse in Norden. Dort schreibt er gerade am elften Fall der Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen, vor sich oft eine Tasse Tee mit Sahne und Kluntje. Typisch ostfriesisch. Dabei kommt Wolf aus dem Ruhrpott.

"Ostfriesland war für mich wie für viele aus Nordrhein-Westfalen ein Sehnsuchtsort." Vor elf Jahren zog der gebürtige Gelsenkirchner an die Küste: am Distelkamp 11 in Norden. Treue Leser wissen: Auch seine Kommissarin lebt im Distelkamp, allerdings in Haus Nr. 13. Eigentlich sollte sie die selbe Adresse wie ihr Schöpfer bekommen. Doch Wolfs Frau, die Kinderliedermacherin Bettina Göschl, war dagegen. "Sie war da etwas weitsichtiger als ich." Denn mit so einem Erfolg hatte Wolf nicht gerechnet.

Mehr als eine Million Mal haben sich die Bücher nach Angaben seines Verlags bisher verkauft. Die letzten beiden Bände "Ostfriesenfeuer" und "Ostfriesenmoor" stiegen gleich vorne auf den Bestsellerlisten ein. Viele Fans machen sich inzwischen einen Spaß daraus, während ihrer Ferien an der Nordsee im Distelkamp vorbeizuschauen. Dass sie am Ende doch bei Wolf vor der Tür stehen, konnte die geänderte Hausnummer nicht verhindern.

"Die 13 gibt es gar nicht. Deshalb klingeln sie bei mir, um danach zu fragen", sagt der Autor und grinst. Die Aufmerksamkeit stört ihn nicht. Er ist da ganz offenherzig, selbst seine Telefonnummer hält er nicht geheim. Seine Herkunft lässt sich eben nicht verleugnen.

Direkt ist er und gesprächig. Die Ostfriesen nehmen ihm das nicht krumm - auch nicht, dass er schon Dutzende Leichen vor ihre Haustür gelegt hat. Einige Einheimische tauchen sogar als Romanfiguren in seiner Reihe auf. Wolfs Nachbarn Peter und Rita Grendel sind zum Beispiel eng mit der Kommissarin befreundet, die noch mehr mit Wolf gemeinsam hat: Sie stammt ebenfalls aus Gelsenkirchen, liebt Spaziergänge auf dem Deich und kauft ihren Kuchen im Café ten Cate, wo Wolf selbst oft sitzt und an seinen Romanen arbeitet. Mit Füller schreibt er auf kariertem Papier. Seine Sekretärin darf die "Sauklaue" - wie Wolf zugibt - dann entziffern.

Der Café-Besitzer Jörg Tapper, der natürlich auch in der Krimireihe vorkommt, findet sein literarisches Ich gelungen. "Jeder hat so seinen Spleen und seine Macken. Das bringt Klaus-Peter ganz gut rüber." Die Authentizität verbunden mit lokalen Eigenheiten ist nach Ansicht des Krimi-Experten Reinhard Jahn ein Grund, weshalb Regionalkrimis aus der Eifel, von den Alpen oder aus Ostfriesland so beliebt sind. "Die Einheimischen erkennen die Orte wieder, wo sie leben. Die Touristen nutzen das als Einstimmung auf den Urlaub oder Erinnerung daran."

Als Regionalkrimischreiber sieht sich Wolf allerdings nicht. Das pittoreske Ostfriesland ist bei ihm vor allem die Kulisse für das Grauen. "Ich greife gesellschaftlich relevante Themen auf, die überall spielen könnten." Zum Beispiel schwarze Pädagogik, Frauenhandel, Lynchjustiz und das Klonen von Menschen. Mit solchen Themen hat Wolf Erfahrung: Vor seiner Zeit als Krimiautor hat er sich mit gut recherchierten Gesellschaftsromanen wie "Dosenbier und Frikadellen" oder "Die Abschiebung" einen Namen gemacht.

Auf Langeoog ist Klaus-Peter Wolf fündig geworden. Diesmal wird der Strand zum Tatort. "Ich suche immer den schönsten Ort, um dort das Verbrechen zu begehen." Das bei ihm übrigens immer komplett fiktiv ist. Was sich Wolf für Ann Kathrin Klaasens elften Fall genau ausgedacht hat, wird der Leser jedoch nicht so schnell erfahren. Im nächsten Februar erscheint erstmal ihr zehnter Fall "Ostfriesenwut".