Berlin - "Das Land der Lager ist in keiner sowjetischen Karte eingetragen, man findet es in keinem Atlas", schreibt Julius Margolin.

"Es ist das einzige Land der Welt, wo es über die Sowjetunion keinen Streit, keinen Irrtum und keine Illusionen gibt." Margolin (1900-1971), der in Polen und später in Israel lebte, lernte die sowjetischen Lager aus eigener bitterer Anschauung kennen. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs geriet der in Deutschland promovierte Philosoph zwischen die Fronten. Er konnte nicht mehr rechtzeitig ausreisen. Schließlich landete er in einem Straflager am Weißmeer-Ostsee-Kanal. In "Reise in das Land der Lager" hat er nach dem Krieg seine Erfahrungen niedergeschrieben. Das Buch, das damals kaum jemand lesen wollte, ist jetzt erstmals in vollständiger Fassung auf Deutsch erschienen. Trotz der grauenvollen Erlebnisse und der totalen Desillusionierung über das Sowjetregime legt Margolin keine verbitterte Abrechnung vor. Sein Buch ist ein spannungsreicher, bewegender Bericht aus einer unbekannten Parallelwelt.

Julius Margolin: Reise in das Land der Lager, Suhrkamp Verlag, Berlin, 638 Seiten, 39,00 Euro, ISBN 978-3-518-42406-3