Frankfurt - Wir alle haben uns wahrscheinlich schon einmal vorgestellt, wie es wäre, in einem anderen Zeitalter zu leben. In Andrew Sean Greers Buch "Ein unmögliches Leben" kommt Greta Wells genau in diesen etwas zweifelhaften Genuss.

Zunächst spielt der Roman 1985 in New York. Gretas Zwillingsbruder ist gerade an AIDS gestorben. Sie selbst hat sich von Nathan getrennt und wird wegen einer Depression mit einer Elektroschocktherapie behandelt - mit ungeahntem Effekt: Greta wird nacheinander in zwei verschiedene Epochen katapultiert, zunächst in das Jahr 1918, dann in das Jahr 1941. Sie lebt zwar noch immer am gleichen Platz, doch ihre Umgebung ist wie mit Patina bedeckt, auch die bekannten Personen sind an die jeweilige Zeit angepasst. Allein Greta ist wie eine Wandlerin zwischen den Welten.

Greers Gedankenspiel mit der Zeitreise erscheint zwar reizvoll, wirkt jedoch in der Umsetzung reichlich forciert. Gretas multiple Persönlichkeit ist wie eine Versuchsanordnung, die nicht so richtig aufgeht und den Leser verwirrt zurücklässt.

- Andrew Sean Greer: Ein unmögliches Leben, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 334 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-10-027827-2.