Frankfurt am Main - "Herrlich und tödlich, heilig und in sich gekehrt, ist die Festung wahrhaftig eine Verkörperung des legendären russischen Staates", schreibt die britische Historikerin Catherine Merridale in ihrem soeben erschienenen Buch über den Kreml.

Von den im historischen Nebel liegenden Anfängen im 12. Jahrhundert bis in die Ära Putins zeichnet sie die vielgestaltige Geschichte dieses einzigartigen Wahrzeichens nach. So eng ist der Kreml als Machtzentrum mit der Nation verbunden, dass man Merridales Buch durchaus auch als Geschichte Russlands lesen kann.

Der Kreml steht für Kontinuität und Widerstand. Er überlebte den Sturm durch mongolische Reiter und den Brand während der Invasion Napoleons, hier wurde 1945 der historische Sieg über Nazi-Deutschland pompös gefeiert. Auch für Putin, schreibt Merridale, hat der Kreml zentrale Bedeutung. Gleich nach Amtsantritt machte er sich deshalb die besondere Aura der roten Festung zunutze: "Denn diese mächtigen Gebäude stehen dafür, dass Russland immer groß gewesen ist."

- Catherine Merridale: Der Kreml. Eine neue Geschichte Russlands, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 624 Seiten, 26,99 Euro, ISBN 978-3-10-048451-2.