München - "Flüchtige Seelen" ist ein bewegender Roman über die traumatische Kraft der Erinnerung.

Das Buch der Kanadierin Madeleine Thien über die Verheerungen des Genozids unter dem Pol Pot-Regime in Kambodscha steht zu Recht auf der Shortlist des Internationalen Literaturpreises des Hauses der Kulturen der Welt. Es erzählt die Geschichte der Kambodschanerin Mei, die als einzige ihrer Familie die Schreckensherrschaft der Roten Khmer überlebt.

Als Neurologin Janie arbeitet sie in Montreal. Eines Tages verschwindet ihr Kollege Hiroji Matsui. Offenbar will er seinen in Kambodscha verschollenen Bruder wiederfinden. Das Verschwinden ihres Kollegen verstört Janie so sehr, dass sie ihre Familie verlässt. Sie wird überwältigt von ihren Erinnerungen an ihre tragische Kindheit.

In dichten Collagen verwebt Thien Gegenwart und Vergangenheit zu einem stimmigen Ganzen und zeigt so, wie Erinnerung funktioniert. Messerscharf und präzise, aber deshalb nicht weniger berührend erzählt sie vom Leiden und Sterben unter einem unmenschlichen Regime.

- Madeleine Thien: Flüchtige Seelen, Luchterhand Verlag, München, 256 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-630-87384-8.