Berlin - Sie arbeiten im Supermarkt, im Call Center, im Schnellrestaurant. Junge Männer, die von einem besseren Leben träumen, aber nur sehr begrenzte Erwartungen an deren Erfüllung haben.

Die acht Kurzgeschichten in Said Sayrafiezadehs Erzählsammlung "Kurze Berührungen mit dem Feind" zeigen Antihelden in der Tretmühle des Alltags, in einem Amerika zwischen Patriotismus und Apathie. Der Krieg, von dem in jeder der in knapper klarer Sprache erzählten Geschichten die Rede ist, ist weit entfernt von den Menschen, der Patriotismus ein automatischer Reflex, abrufbar wie die Plastikfähnchen zum Preis von 99 Cents.

Die Kälte, die sich durch die Erzählungen zieht, ist nicht nur das ungewöhnlich strenge Klima, auch die zwischenmenschlichen Beziehungen sind spröde-unterkühlt, die Sehnsucht nach menschlicher Wärme bleibt meist unerfüllt. Der US-amerikanische Schriftsteller Sayrafiezadeh erzählt Geschichten des "corporate America", in denen die Sozialkritik leise bleibt.

- Said Sayrafiezadeh: Kurze Berührungen mit dem Feind. Hanser Verlag, Berlin, 253 Seiten, 18,90 Euro, ISBN 978-3-446-24656-0.