Stuttgart - Die Geschichte der Kreuzzüge hat schon immer die Fantasie der Menschen beflügelt. Das gilt bis heute, da die mittelalterlichen Kreuzzüge gerne als Spiegel der modernen Welt herhalten müssen, entweder um die Politik des Westens oder die der muslimischen Seite zu rechtfertigen.

Auch von Historikern wurden die Kreuzzüge oft einseitig dargestellt. Der britische Mittelalter-Experte Thomas Asbridge versucht dagegen in seinem voluminösen Buch "Die Kreuzzüge" beide Perspektiven - die europäisch-christliche und die östlich-muslimische - gleichermaßen zu berücksichtigen. Das zeigt sich vor allem im Abschnitt über den dritten Kreuzzug (1189-1192 ): Hier stellt er jeweils im Wechsel die beiden Hauptakteure Richard Löwenherz und Sultan Saladin und ihre jeweilige Sicht der Dinge vor.

Asbridge zeigt in seiner faszinierenden Analyse, wie fiebrige Frömmigkeit und Sehnsucht nach Erlösung zu erstaunlichen, aber auch erschreckenden kriegerischen Leistungen führten.

- Thomas Asbridge: Die Kreuzzüge, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 829 Seiten, 16,95 Euro, ISBN 978-3-608-94921-6.