Am 16. Juni ist Premiere für das Domplatz-Open-Air

„West Side Story“ ist ein Musical in zwei Akten nach einer Idee von Jerome Robbins, Buch von Arthur Laurents. Die Musik komponierte Leonard Bernstein. Die Texte stammen von Stephen Sondheim. Die Produktion des Theaters Magdeburg auf dem Domplatz ist spartenübergreifend mit Sängern, Tänzern, Schauspielern und Musikern der Magdeburgischen Philharmonie.

Regie führt Gil Mehmert, der in Hamburg „Das Wunder von Bern“ inszeniert hatte und in Magdeburg mit „Les Miserables“ vor dem Dom erfolgreich war. Die Bühne entwarf Jens Kilian.

Premiere ist am Freitag, dem 16. Juni, auf dem Domplatz. Gespielt wird bis zum 9. Juli jeden Abend ab 21 Uhr.

Karten: Sie kosten zwischen 29 und 52 Euro. Die Premiere ist ausverkauft. Die Auslastung liegt bereits bei über 90 Prozent. Karten gibt es vor allem noch am 2., 5., 6. und 9. Juli. Erhältlich sind sie über die Theaterkasse (0391)40 49 04 90.

Volksstimme: Sie können sich mittlerweile die Hauptrollen aussuchen. Warum der Tony?

Anton Zetterholm: Ich habe Glück gehabt, einige sehr schöne Rollen spielen zu dürfen. Aber Tony ist die Nummer eins auf der Musicalliste. Es ist die Hauptrolle der Hauptrollen.

„West Side Story“ ist die Geschichte von Shakespeares Romeo und Julia. Sehen Sie in Tony auch den Romeo?

Auf jeden Fall. Es ist diese unsterbliche Geschichte, dass sich zwei Menschen begegnen und verlieben. Es geht um Feindschaft und unterschiedliche Herkunft. Das ist superaktuell. Wir haben Grenzen zwischen Ländern und Religionen.

Im Musical geht es um Rassenkonflikte zwischen Amerikanern und Puerto Ricanern. Heute baut Amerika eine Grenze zu Mexiko.

Genau. Ich als Schwede habe eine britische Freundin, es gibt zwar keine Mauern, aber es gibt Probleme.

Stimmt es, dass Sie Ihre erste Musicalrolle in der „West Side Story“ hatten?

Ja, da war ich 18, 19 und noch auf der Schule, aber ich habe gemerkt, dass ich singen kann, und die Liebe zum Musical entdeckt. Ich wusste: Das werde ich machen.

Ihre Karriere begann aber ungewöhnlich. Sie gewannen bei einer Castingshow in Deutschland die Rolle des Tarzan in Hamburg.

Ich war 21. Das war unglaublich. Wie ein Traum. Auf einmal Deutschland. Ich kannte nur Anton aus Tirol. Ich stand mit Hugo Egon Balder auf der Bühne und der machte seine Witze. Ich habe nichts verstanden, habe nur „genau“ gesagt. Das war mein erstes deutsches Wort. Dann stand ich im Finale mit Phil Collins und hatte die deutschen Zuschauer an meiner Seite. So hat es angefangen.

Dann kam eine Rolle zur anderen.

Ich habe die Welle der Show genutzt und wirklich viel, viel gearbeitet. Anfangs für Stage Entertainment. Dann war ich in Wien an den Vereinigten Bühnen. Das hat alles gut geklappt. Dann war ich am Westend in London. Das war beinhart, aber auch cool. Und ich dachte, wenn man das schafft, dann kann man was.

Dann kann man nach Magdeburg kommen. Was wussten Sie über die Stadt?

Ich wusste, dass es eine gute Handballmannschaft gibt. Mehr nicht. Dann herzukommen und so ein perfektes Theater zu haben mit 400 Leuten, das habe ich nicht gedacht. Das ist hier ein großartiges Team. Mit dem Choreographen Jonathan Huor habe schon einmal gearbeitet. Er ist wirklich ein Starchoreograph und macht die nächsten Olympischen Spiele in Japan. Die Bühne ist riesig. Wir haben ein großes Orchester. Das ist wahnsinnig cool.

Haben Sie noch nie an einem Stadttheater gearbeitet?

Es ist meine Premiere. Für einen sozialistischen Schweden sind Stadttheater toll. Sie sind wichtig für die Kultur. Ich finde, in Deutschland wird sie gelebt.

Ist es in Schweden nicht so?

Es gibt Theater in Stockholm, Schweden, Malmö. In den kleinen Städten ist nichts. Das ist hier anders.

Was macht Ihre Rolle aus?

Die Rolle ist mir ziemlich nahe. Tony ist ein junger Typ, der noch einen Fuß in der Gang hat, aber in Richtung Erwachsensein geht. Er ist ein Dreamer, ein Träumer. Dann trifft er Maria und alles wendet sich.

Es ist eine große Rolle.

Ja, ich muss sehr, sehr viel singen. Es ist nicht so einfach. Vor allem draußen. Das wird eine große Herausforderung.

Haben Sie schon einmal open air gearbeitet?

Das ist neu für mich.

Sie singen auf Englisch, die Dialoge sind auf Deutsch? Sie sprechen gut deutsch, aber wie schwer sind diese Wechsel?

Es muss eine gute Linie geben zwischen dem Gesungenen und dem Gesprochenen. Das ist das Schwierige am Musical. Jetzt mit zwei Sprachen, das ist wirklich schwierig. Wir arbeiten sehr hart damit. Ich muss auf Deutsch sprechen und will mich manchmal selbst nicht hören.

Sie haben hohe Ansprüche.

Oh ja. Ich bin ein Perfektionist. Ich bin nie zufrieden mit mir. Nie. Ich arbeite sehr hart. So versuche ich, alle Türen offen zu halten. Ich bin sehr stolz, dass ich in den letzten acht Jahren in fünf Ländern gearbeitet habe. Und jetzt bin ich endlich erstmals in Ostdeutschland.