Von Daniel Wrüske

Magdeburg l Verinnerlichung, musikalisches Gebet, aber auch Engelsjubel und vor Übermut strotzende, freudige Zuversicht - Der Orgelzyklus "La Nativité du Seigneur" (Die Geburt des Herrn) des französischen Komponisten Olivier Messiaen (1908 - 1992) vereint alle Facetten der weihnachtlichen Verkündigung.

Die 1995 - Messiaen war 27 Jahre alt - komponierten neun Mediationen für große Orgel haben es bei eingefleischten Orgelfans längst zum Kultstatus gebracht. Das Stück hat aber auch das Zeug, für ein breiteres Publikum zur Weihnachtsmusik der besonderen Art zu werden - wenn man sich denn darauf einlässt.

Barry Jordan bringt die Orgel zum Klingen

Gelegenheit dazu gab es jetzt im Magdeburger Dom. Domkantor Barry Jordan hat "La Nativité" am Dreikönigstag an der großen Schuke-Orgel im Konzert gespielt. Ein wirklich lohnenswerter musikalischer Abend, bei dem es der Organist verstand, die neun Meditationen zum Klingen, zum Leuchten zu bringen. Keine Spur vom sperrigen Image moderner Musik. Das lag zuerst an Messiaens spannender Musik. Selbstverständlich. Aber auch an ihrer wunderbaren Darstellung durch den Musiker.

Barry Jordan beherrschte das anspruchsvolle Stück technisch ausgezeichnet, so wie man es vom Domorganisten gewohnt ist. Ihm gelang es fernab aller virtuosen Herausforderung aber auch, auf seinem Instrument vielgestaltige charakteristische Klangfarben zu finden. Für Messiaens Musik ist das wichtig. Den einzelnen Sätzen stehen zum Teil theologische Gedanken als Überschrift vor, die weit über Lametta-Seligkeit ganz tief in das Weihnachtsgeschehen hineinreichen.

Dass die Zuhörer gut 50 Minuten im nur wenige Grad über null "warmen" Dom saßen, merkten wohl nur die meisten erst beim begeisterten Schlussapplaus. Vielleicht auch mit der Erkenntnis am Ende des Weihnachtsfestes einer einzigartigen Festtagsmusik begegnet zu sein - in Komposition und Interpretation.