Die ostdeutschen Theater und Orchester stehen zwischen Sekt und Selters. Vielerorts wird kräftig abgebaut - doch in den Ländern Berlin, Sachsen und Thüringen steigen die Zuschüsse sogar.

Berlin (dpa) l Der Rotstift führt Regie oder ersetzt bisweilen den Taktstock: Viele Theater und Orchester in Ostdeutschland befinden sich in einer schwierigen Lage. Sinkende Zuschüsse und steigende Tarife führen zu Personalabbau, Fusionen oder sogar zur Abwicklung von Sparten und ganzen Ensembles. Dabei ergibt der Blick in die einzelnen Länder ein höchst unterschiedliches Bild. Denn in einigen Ländern steigen die Kulturausgaben sogar - ein Hoffnungsschimmer am dunklen Bühnenhimmel.

Berlin:

Die Hauptstadt gibt für Kultur inklusive Museen und Gedenkstätten mehr Geld aus. Der Kulturhaushalt für die Jahre 2014 und 2015 steigt überproportional im Verhältnis zu anderen Ressorts. Nach dem Entwurf sollen die Kulturausgaben in beiden Jahren um 27 Millionen auf insgesamt 773 Millionen Euro steigen. Der Löwenanteil fließt laut Verwaltung allerdings in die Anpassung der Tarifstrukturen für die Beschäftigten. Umstritten ist dagegen die Förderung der Freien Szene. Die unabhängige Gruppen fühlen sich von der Verwaltung finanziell vernachlässigt - zum Beispiel die Tanzcompagnie von Sasha Waltz.

Brandenburg:

Brandenburgs Theater leiden unter permanentem Kostendruck. Zwar gibt es bisher keine größeren Einschnitte bei Aufführungen. Doch 2014 sollen weitere Stellen gestrichen werden. Teils müssen die märkischen Bühnen jeden Euro umdrehen, um ihr im Bundesvergleich ohnehin bescheidenes Programm aufrechtzuerhalten. Die Uckermärkischen Bühnen in Schwedt wollen ihren Künstlern deshalb Blumen und Premierensekt streichen. Insgesamt liegt der Landesetat für Theater und Orchester zusammen 2014 bei rund 38,7 Millionen Euro, gut 4,3 Millionen Euro mehr als 2009.

Mecklenburg-Vorpommern:

Im Nordosten ist die Bedrohung greifbar. Dort gibt es kaum ein Theater, das in jüngster Zeit nicht knapp vor der Insolvenz stand und mit Extra-Geld gerettet werden musste. Grund: Die Regierung hat ihren Theaterzuschuss von 35,8 Millionen Euro seit 1995 nicht mehr erhöht. Die Kommunen können das nicht auffangen. Der Kulturminister fordert Fusionen und Personalabbau. In der ersten Spielzeit nach der Wende (1990/1991) hatten die Bühnen 1787 Mitarbeiter, 2011/2012 waren es nur noch 1027.

Sachsen:

Sachsen nimmt für sich in Anspruch, das Flächenland mit den höchsten Kulturausgaben pro Einwohner zu sein. So ist es zumindest im bisher aktuellsten Kulturfinanzbericht von 2009 vermerkt. Damals lagen die Ausgaben für Kultur im Freistaat bei 706,5 Millionen Euro, etwa 169 Euro pro Einwohner. Der deutsche Mittelwert betrug 96,5 Euro. Die Flaggschiffe in Regie des Freistaates befinden sich mit Semperoper und Staatsschauspiel in Dresden. Für beide Häuser hat das Land bei sinkendem Personalbestand die Zuschüsse seit dem Jahr 2000 von knapp 50 Millionen Euro auf rund 64,8 Millionen Euro erhöht. Die Kultur in der Fläche wird über ein Kulturraumgesetz vom Land mitfinanziert. Derzeit gibt es dafür pro Jahr 86,7 Millionen Euro vom Land.

Sachsen-Anhalt:

Das Land hat seine Theaterförderung mit Beginn dieses Jahres deutlich zurückgefahren. Der jährliche Zuschuss sollte zunächst von 36 auf 29 Millionen Euro sinken, inzwischen wurde um etwa eine Million nachgebessert. Hintergrund ist der Konsolidierungskurs des Landes. Landkreise und Kommunen als Träger der Bühnen stehen in der Pflicht, sich neue Konzepte zu überlegen - in Dessau etwa werden Sparten wegfallen. Insgesamt gibt Sachsen-Anhalt in diesem Jahr allerdings für Kultur mehr aus als im vergangenen.

Thüringen:

Thüringen hat Zuschüsse für Theater und Orchester trotz sinkenden Landesetats bis 2016 festgeschrieben. Von 58,7 Millionen Euro (2013) sollen sie schrittweise auf 64,8 Millionen Euro steigen. Zusammen mit den kommunalen Beiträgen gehe es den Häusern relativ gut, sagt der Vorsitzende des Thüringer Bühnenvereins und Erfurter Intendant, Guy Montavon. Für Hasko Weber vom Nationaltheater Weimar haben die Häuser die Grenze der Einsparmöglichkeiten jedoch erreicht.