Ein musikalischer Glücksfall. Am Donnerstag hieß es im Theater der Altmark: "Klezmer meets Jazz", Klezmer trifft auf Jazz. Das Giora Feidman Jazz Experience machte auf seiner Tournee durch Deutschland auch in der Altmark Station.

Stendal l Zu hören gab es natürlich Klezmer, diese jüdische Volksmusik, in ihrer ganzen Bandbreite: wehmütige, melancholische Töne, aber auch lockende, verlockende Melodien, die von dem uralten menschlichen Bedürfnis zu tanzen zeugen.

Diese Melodien wurden - manchmal langsam, manchmal plötzlich und unerwartet - jazzig. Bis purer Jazz erklang. Auch hier eine große Bandbreite. Swing, Latin, Free ...

Dann wieder parallel, gemischt. Heraus kommt "Jazzmer", doch egal, wie man es nennt, das Ergebnis zählt. Und das ist phänomenal. Durch das Miteinander und Nebeneinander der zwei Musikrichtungen entsteht ein Hörgenuss, von dem man nicht genug bekommen kann.

Die vier Musiker auf der Bühne des großen Hauses ernteten am Ende des Konzerts Ovationen im Stehen, nach drei ausgiebigen Zugaben ließ das Publikum sie - ungern - gehen.

Der große Giora Feidman, spätestens durch seine Musik (mit Itzhak Perlman) für den Film "Schindlers Liste" zu Weltruhm gelangt, ist das, was man einen Grandseigneur der Musikszene nennt. Fast sein gesamtes Leben lang steht er bereits auf der Bühne, hat Millionen von Menschen mit seiner Musik begeistert.

Der 77-Jährige hat sein Publikum im Griff, bringt es mit einer simplen Handbewegung zum Schweigen oder zum Mitsingen. Seine symbolischen Umarmungen des Publikums, seine Flugküsschen... egal, ob er diese Gesten schon seit Jahren macht. Der gebürtige Argentinier mit Wohnsitz in Deutschland ist glaubhaft, charmant und ein begnadeter Klarinettist.

Die Herzen fliegen ihm spätestens dann zu, wenn er - in einer wilden Mischung aus Englisch und Deutsch - sagt: "I feel at home in Deutschland!" Er versteht sich als Brückenbauer zwischen den Kulturen, versteht nicht, warum Menschen nicht in Frieden miteinander leben können. "It\'s much easier to live like that." Ja, es wäre leichter und schöner für alle.

Feidmans Mitmusiker sind jünger an Jahren, nicht weniger begnadet: Guido Jäger (Kontrabass), Reentko Dirks (Gitarre) und Stephan Braun (Cello). Ein jeder von ihnen zeichnet sich durch virtuoses Spiel aus. Stephan Braun ist einer der wenigen Jazz-Cellisten, seine Spielweise überraschend anders. Letzteres gilt auch für Gitarrist Reentko Dirks mit einer innovativen, perkussiven Spieltechnik. Guido Jäger schließlich bringt dem Ensemble mehr als das musikalische Rückgrat, er ist auch ein großartiger Solist. Alle zusammen stellen vieles bisher Gehörte in den Schatten, machen die Zuhörer beinah schwindelig mit ihrer Musik, ihrem Charisma.

Das Programm reichte von "Donna Donna" über "Wonderful world" bis hin zu "Summertime". Viel Altbekanntes, in erfrischend neuer Form, aber auch neue Kompositionen aus der Feder von Braun, Dirks und Jäger.

Das Publikum verließ das Theater an diesem Donnerstagabend äußerst beschwingt. Und in der Hoffnung, dass es ein Wiederhören geben wird.

Weitere Stationen auf der Deutschlandtour sind u.a. Potsdam (heute, 18 Uhr, Erlöserkirche) und Freiberg (2. Februar).