Magdeburg l Das muss Astrid Griesbach erst einmal jemand nachmachen: Fünfhundert Seiten Heinrich Mann in achtzig rasanten Minuten. Die Regisseurin erzählte mit ihrem vierköpfigen Spielensemble temporeiche Geschichte eines Aufstiegs.

"Die anderen waren klüger als ich, aber ich hatte das System verstanden." - Solche Sätze sind es, die ahnen lassen, wie Diederich Heßling, der kaisertreue "Untertan", zu dem Monster werden konnte, das am Ende mit einem überdimensionalen Kopf zu martialischen E-Gitarren-Klängen das Kaiserdenkmal einweiht.

Griesbach und ihr Dramaturg Tim Sandweg versuchten keine Romanadaption, sondern schufen eine äußerst verknappte und damit besonders prägnante Spielfassung, die vor allem eins herstellt: eine bedrohliche Atmosphäre.

Die vier maskierten Buffoni, Geschöpfe geradewegs aus der Hölle, agieren unter einem äußerst wandelbaren Klopapierhimmel (Ausstattung: Stefanie Oberhoff) und erzählen die Geschichte des Papierfabrikantensohns, der selbst vor Denunziation nicht zurückschreckt, als der Teufel persönlich ihn an seine Karriere erinnert. Griesbach zieht alle Register des Volkstheaters: Kasperlepuppen, Bänkelgesänge, virtuose Improvisationen und hat mit Freda Winter, Gabriele Grauer, Florian Kräuter und Lennart Morgenstern eine ideale Besetzung. Entlarvende Situationen entstehen, wenn die Erschießung eines Passanten nachgespielt wird, der Darsteller anschließend aus seiner Rolle tritt, um seine Polizisten-Handpuppe zu verteidigen: "Wieso, ich bin hier doch nur der Befehlsempfänger."

Was das Einrichten im System, egal in welcher Zeit, auslösen kann, wird an diesem Abend eindrucksvoll, aber vor allem auch mit viel Sinn für Komik durchgespielt.

Nächste Vorstellungen: 28. Februar und 1. März.