Vollkorn, Dinkel, Roggen, mit Sonnenblumenkernen oder Haferflocken: Die deutsche Brotauswahl ist nach Überzeugung der hiesigen Bäcker so groß wie nirgendwo anders. Sie wollen ihr Handwerk deshalb als Welterbe schützen lassen.

Berlin (epd) l Das Gefühl kennen wahrscheinlich viele Deutsche aus dem Urlaub: Das Meer rauscht, die Sonne scheint, Palmen spenden Schatten, das Essen ist exotisch, aber etwas fehlt nach einiger Zeit - das Schwarzbrot. Peter Becker, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, hat "vor kurzem in den USA wieder eine öde Landschaft an Broten kennenlernen dürfen", wie er am Dienstag in Berlin berichtete. Ganz anders sei dies in Deutschland, sagt er. Der Verband will die deutsche Brotkultur deshalb zum Welterbe erklären lassen.

Einzigartige Vielfalt an Rezepturen durch Weizen und Roggen

Bereits im November hat der Verband bei der Berliner Senatsverwaltung für kulturelle Angelegenheiten eine Bewerbung zur Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes eingereicht. Bis April muss das Land über die Bewerbungen entscheiden. Insgesamt zehn Anträge liegen vor.

Jedes Bundesland kann zwei Vorschläge für die nationale Liste nennen, über die dann noch die deutsche Unesco-Kommission sowie die Kultusministerkonferenz und die Kulturstaatsministerin befinden müssen.

Becker äußerte sich am Dienstag optimistisch über die Bewerbung und verwies dabei vor allem auf die vielen Brotsorten in Deutschland. Die Vielfalt an Rezepturen sei einzigartig auf der Welt, sagte er. Nach einem Aufruf seines Verbandes an Bäcker, Rezepte einzusenden, seien inzwischen mehr als 3000 unterschiedliche Rezepturen eingegangen.

Die Vielfalt resultiert nach Ansicht des Ulmer Brotmuseumsleiters Andrea Fadani aus einer geografischen Besonderheit Deutschlands: Die Bundesrepublik liege "an der Schnittstelle zwischen Weizen und Roggen". Über 6000 Jahre habe sich daher eine ganz eigene Brottradition entwickelt. Inzwischen kommt auch zunehmend Dinkel ins Brot, dazu Körner und Kerne. Verbandspräsident Becker erhofft sich von einer Aufnahme in die Liste aber auch praktische Konsequenzen für die deutsche Brotkunst. Es könne Auswirkungen auf die Rezepturen haben, indem die Menge der einzelnen Zutaten festgelegt werde, sagte er.

Ein Angriff auf die zunehmend beliebten und in der Regel günstigeren Brote aus dem Discounter ist die Bewerbung aber dennoch nicht. Rund die Hälfte der Brote kaufen die Deutschen nach Beckers Angaben inzwischen aus industrieller Fertigung. Die Bewerbung der Bäckerhandwerker ziele auf die Vielfalt der Brote ab, sagte Becker. Die Discounter-Brote gehörten inzwischen dazu. Zudem sei es schwierig zu bestimmen, wann Handwerk aufhöre und wo Industrie anfange.

Bewerbung ist kein Angriff auf Discounter-Brote

Die Initiative zum Erhalt des immateriellen Weltkulturerbes wurde 2003 von der Unesco gestartet. 2006 trat das Abkommen in Kraft. Deutschland ist dem Übereinkommen im vergangenen Jahr beigetreten. Die Bundesländer beraten derzeit über die ersten Vorschläge, die Deutschland auf die Liste eintragen lassen will.

In Berlin liegen in Konkurrenz zur Brotvielfalt die Anträge vor, das Leierkastenspiel, den protestantischen Choral oder die natürliche Geburt ohne Operation und Medikamente zum Kulturerbe zu erklären. Aus dem kulinarischen Bereich bemühen sich zudem die Brauer um die Aufnahme ihrer Kunst ins Welterbe. In Bayern haben sie den Antrag gestellt, das Reinheitsgebot in die Liste aufzunehmen.