Spannungsvoll wurde der Violinist Michael Barenboim zum 6. Sinfoniekonzert im Magdeburger Opernhaus erwartet. Er spielte gemeinsam mit dem Magdeburger Solo-Cellisten Georgiy Lomakov das Doppelkonzert von Johannes Brahms.

Magdeburg l Vor der grandiosen 1. Brahms-Sinfonie lernte das Publikum am Konzertbeginn zunächst den fast vergessenen Joseph Joachim Raff kennen, ein Schweizer kompositorischer Autodidakt und späterer Direktor des renommierten Frankfurter Konservatoriums. In der erklungenen Ouvertüre zu seiner komischen Oper "Dame Kobold" waren Anklänge an Rossini oder auch Sinfonien Schumanns und Mendelssohns herauszuhören.

Welche schwelgerische Eleganz haben die Stimmgruppen der Magdeburgischen Philharmonie intensiv und homogen erarbeitet, von Walzerrhythmus zu rhythmisch pointierten augenzwinkernden Themen oder feierlichen Passagen - ein stimmiges Orchester.

Das bestätigte sich auch bei den folgenden beiden Brahms-Werken. Der Solo-Cellist der Magdeburger Philharmoniker Georgiy Lomakov bewies seine Klasse. Im Zusammenspiel mit dem Geiger und Konzertmeister des West-Eastern Divan Orchestra Michael Barenboim als Gast schienen sich bei der Interpretation des Brahms´schen Doppelkonzertes a-Moll für Violine und Violoncello zwei kongeniale Orchestermusiker solistisch gefunden zu haben.

Ein Versöhnungswerk nach jahrelanger Funkstille

Für Brahms war es seinerzeit ein Versöhnungswerk mit dem Violinisten Joseph Joachim nach jahrelanger Funkstille in ihrer freundschaftlichen Beziehung. Für die beiden jungen Solo-Musiker Barenboim und Lomakov mutete es als Beginn einer musikalischen Freundschaft an. Beide Solostimmen waren engmaschig miteinander verwoben, trotzdem ließen sie das Stück atmen. Dies meisterten die beiden Solisten sehr gut, Barenboim spielte völlig zurückgenommen stellenweise sogar den Orchesterpart mit. Lomakov suchte immer wieder, ihn freundschaftlich zu inspirieren. Barenboim schien fokussiert und sehr konzentriert, bediente den musikalischen Dialog warmherzig. Der schönste melodische Einfall des Werkes im zweiten Satz dockte die Solisten perfekt an das hervorragend strukturgebende Orchester an. Die zweifelsohne seiltänzerische Virtuosität vor allem im dritten energetischen Satz gelang Orchester wie Solisten ohne Kraft, vielmehr mit warmen Klangfarben, von denen der Solo-Cellist Lomakov ein reicher Maler war. Barenboim mit rhythmischem und musikalisch-technischem Perfektionismus kam dabei etwas schulmeisterlich daher.

Doch das beeinträchtigte die Homogenität der beiden keineswegs, keiner stahl dem anderen die Show. Dafür gab es herzlichen Applaus des Konzertpublikums. Dass die Magdeburgische Philharmonie ein sehr gereiftes Orchester geworden ist, belegte sie äußerst beeindruckend mit Brahms 1. Sinfonie c-Moll.

In den Mittelsätzen Raum für Romantik und Gefühl

GMD Kimbo Ishii am Pult setzte mit seinen Musikern alles daran, ein Gesamtkunstwerk zu präsentieren, was begeisternd gelang. Die Ecksätze boten Raum für den pathetisch-monumentalen Gestus, die Mittelsätze Raum für Romantik und Gefühl. Mit vollem Klang verzichtete Ishii auf unnötige Zäsuren, konsequent ging er an die motivische Arbeit.

Die Streicher dosierten bedacht ihre Kräfte, die zahlreichen kammermusikalischen Solostellen von Oboe, Klarinette, Horn, Flöte und Violine wurden hervorragend gehaltvoll musiziert bei bewusst gemäßigtem Orchesterklang. Die dynamisch exzentrischen Entwicklungen im Finalsatz machten sakrale Bläsersätze wie auch friedvoll hymnische Streicher dennoch möglich.

Ein spannendes Brahms-Erlebnis. Bravos und Standing Ovations.