Magdeburg l Mucksmäuschenstill verfolgten am Mittwochabend gut zwei Stunden lang die Zuhörer die Buchlesung von Bernd Kaufholz. Der frühere Chefreporter der Volksstimme stellte im Kabarett "... nach Hengstmanns" seinen ersten Kriminalroman "Tödlicher Skorpion" vor. Als Autor ist der 61-Jährige kein Unbekannter, hat er doch schon mehr als neun Bücher mit authentischen Kriminalfällen veröffentlicht. Der neue Krimi jedoch ist nicht mehr oder weniger verstaubten Akten, sondern seiner eigenen Phantasie entsprungen, und die schafft es, den Leser zu fesseln. Großen Anteil daran hat die von ihm erdachte Rechtsanwältin Tanja Papenburg. Im Stile einer jugendlichen Miss Marple versucht sie, die rätselhaften Morde im Rotlichtmilieu aufzuklären.

Der neue Krimi wäre aber kein echter Kaufholz, wenn nicht ein gutes Körnchen Wahrheit in der Geschichte steckte. "Der Hauptfall hat einen historisch belegten Hintergrund", gab der Journalist unumwunden zu. So findet der Leser so manchen Hinweis auf die Stadt Magdeburg, ihre Umgebung und einige zwielichtige Personen, von denen die Hauptfigur, ein sachsen-anhaltischer Vorzeigeunternehmer, tatsächlich vor mehr als zehn Jahren unter bis heute ungeklärten Umständen ermordet worden ist.

Der Mörder setzt sich ab und flieht nach Südamerika

Während die bisherigen wahren Kaufholz-Fälle zum größten Teil aufgeklärt wurden, manche allerdings erst nach Jahren, bleibt beim "Tödlichen Skorpion" der Schluss unbefriedigend. "Der Mann, der hinter den Morden steht, setzt sich ab, flieht nach Südamerika", beklagt sich Kaufholz und fügt hinzu: "Wie im richtigen Leben." Deshalb habe er sich entschlossen, verkündet er am Schluss der Lesung sehr zur Freude seiner Fans, eine Fortsetzung zu schreiben. "Darin sollen die Hintermänner enttarnt und ihrer gerechten Strafe zugeführt werden."

70 Seiten des neuen Krimis habe er schon geschrieben. Dass es auch wieder einen realen lokalen Bezug gibt, ist selbstverständlich. "Vor Jahren wurde in Magdeburg das Mitglied einer Volksmusikgruppe ermordet", deutet Kaufholz an. Auch dieser Fall sei nicht aufgeklärt...

Zunächst lohnt es sich jedoch, das Erstlingswerk des "journalistischen Schriftstellers" zu lesen. Kabarettchef Frank Hengstmann jedenfalls zeigte sich begeistert und wünschte sich zum Abschluss der Lesung, dass Kaufholz das Drehbuch zum nächsten "Polizeiruf" schreiben sollte, damit Magdeburg in einem besseren Licht als bei der ersten Folge erscheine.