Magdeburg l Wenn man die Lieder des neuen Programms von Agnes Bryja und Doreen Pichler Revue passieren lässt, hat man den Eindruck, dass es mit ihnen nicht geht, aber ohne sie auch nicht - Männer. Bis auf wenige Ausnahmen sind sie das Thema aller Lieder. Zum zweiten Mal gastierte das Damenduo mit Flügel "ChansonArt" in Magdeburg. Ihr Programm "Jeden Tag Neu!" hatte am Sonnabend im Forum Gestaltung Premiere, und es wurde ein begeisternder Abend der großen Gesten und tiefen Gefühle.

Mal sehnt man sich nach einem rauen Kerl wie Tarzan, mal macht man sich über sie als Ehelangweiler lustig. Meist aber träumt man von der Liebe, von Zärtlichkeit, der Traurigkeit und Einsamkeit, wenn man verlassen wurde: Jedes Lied erzählt - meist aus weiblicher Sicht - eine eigene Geschichte, mal melancholisch, mal ironisch, mal wütend.

Agnes Bryja versteht es hervorragend, leicht unterkühlt über den Schmerz gebrochener Herzen zu singen, dann wieder frech und ein wenig frivol ist sie ganz Dame von Welt. Der spontane Wechsel in das Heiter-ironische voller Temperament fällt ihr leicht, wenn sie meint, dass die Männer, die keine Frau abbekämen, sich doch einfach eine kaufen sollten. Das lässt zwar jede Feministin aufstöhnen und ist politisch völlig unmöglich, aber Kunst darf das. Und wenn man, wie Agnes Bryja aus Ibbenbüren im Tecklenburger Land kommt, sowieso.

Anders ist das schon in dem Lied, bei dem die männlichen Partner reihenweise eines unnatürlichen Todes sterben.

Den Herren im Publikum gefiel es trotzdem, weshalb sie artig Beifall klatschten. Das lag aber vielleicht auch an der attraktiven Erscheinung der Sängerin und ihrer ausdrucksvollen Stimme, die besonders in den leicht zurückgenommenen Passagen das ganze Klangvolumen ausspielte.

Doreen Pichler am Flügel hat wie Agnes Bryja eine klassische Musikausbildung. Sie stammt aus Magdeburg, hatte also eine Art Heimspiel. Ihr überaus gefühlvolles und ganz auf den Gesang abgestimmtes Spiel zeugt von enormer Professionalität. Selbst kleine Abstimmungspatzer brachten sie nicht aus dem Rhythmus. Es war eine Freude, ihr zuzuhören, denn sie reicht weit über eine Begleitung hinaus, hat einen gewichtigen Anteil am Gesamterfolg des Konzertes. Vor diesem Hintergrund war ihre Gesangseinlage nicht die beste Idee.

Ganz große Momente hatten die beiden Künstlerinnen, wenn es mal nicht um Männer ging. Agnes Bryja brillierte beispielsweise, als sie vom Glück sang, dass nur Minuten dauere, während der Rest lediglich Warterei sei, oder wenn sie feststellte, dass im "kleinen Leben der große Schmerz" läge. Das begeisterte Publikum entließ die beiden nach diesem Chansonabend der Extraklasse nicht, ohne eine Reihe von Zugaben zu fordern.

Mit dem Sinfonieorchester Magdeburger Musikfreunde ist ChansonArt u.a. auch am 26. April in der Markthalle Sudenburg zu erleben und am 21. Juni im Kloster Unser Lieben Frauen