Magdeburg l "Was Ihr wollt" heißt die letzte CD von Gitte Haenning. Mit den Liedern dieser kleinen silbernen Scheibe war sie am vergangenen späten Sonntagnachmittag im Theater Magdeburg zu Gast.

Umhüllt von einem zauberhaften Gewand aus weißem Tüll erinnert sie an einen Harlekin oder gar Mary Poppins ohne Schirm. Der Hocker aus durchsichtigem Plexiglas und das ebenso farblose Pult rücken die Künstlerin vollends ins rechte Licht. Der Zuhörer erlebt zwei facettenreiche Stunden mit musikalischem Tiefgang.

Der Eingangssong "Die Frau, die dich liebt" (Barbara Streisands großer Hit "Woman in love") strotzt nur so vor Kraft. Der deutsche Text widerspiegelt die Melancholie einer gestandenen Frau, die eine Menge zu erzählen hat. Ihre neuen Songs "Du kennst mich gar nicht", "Heimatlos melancholisch" oder "Salz in der Luft" fügen sich perfekt in das Programm, das spüren lässt, wie sie mit ihren Liedern gewachsen ist, sich weiterentwickelt hat. Fetzig auch der Rhythmus des dänischen Liedes von einst, das wegen des Textes für einen Wettbewerb in Dänemark disqualifiziert wurde. Ob sanfte Ironie, Verzweiflung oder große Liebe - Gittes Lieder sind so zeitlos wie sie selbst.

Stimmgewaltig präsentiert sie ihre Geschichten, die das Leben schreibt, liebevoll und geistreich in Szene gesetzt. Einen großen Anteil daran haben natürlich auch die vier "Spielkameraden" ihrer Band, die während des Konzerts immer wieder mit schönen Instrumental-Soli auf sich aufmerksam machen.

Gitte Haenning meint, was sie singt, nimmt sich selber ernst, aber nicht wichtig. Das durchweg stimmige Gesamtkonzept kommt aus ihrem Herzen und natürlich beim Publikum an. Die agile Sängerin animiert das Auditorium zum Mitsingen, Wippen und Schnipsen. Nach der Pause färbt sich das wallend weiße Kleid tiefschwarz und lässt leuchtendes Rot hervorblitzen - und ab und zu ein Bein.

So kokettiert sie mit sich selbst, jazzt mit "Lampenfieber", verpoppt den Jazz, groovt und swingt. Gitte scheint beinahe in jedem Genre zu Hause mit einer Stimme, die so jung, groß und frisch klingt. Dabei überzeugen "All of me" und "Sentimental journey" ebenso wie "How high the moon". Dann kommt er doch noch, der Cowboy.

So anders, so jazzig und so vergnügt, dass das lustige Liedchen glatt noch einmal ein Hit werden könnte. Gitte Haenning beweist, wie man seinem Publikum immer wieder etwas Neues geben kann und sich trotzdem treu bleibt. Mit einer extravaganten Interpretation von Bob Dylans Hymne "The answer is blowing in the wind" und "A song for you" ging ein wunderbares Konzert zu Ende.

Das Magdeburger Publikum honorierte dies mit stehenden Ovationen.