Aschersleben l Im Mittelpunkt der Ausstellung "Bild Buch" stehen die Entwürfe Neo Rauchs, die 2009 für die Schutzhüllen einer Edition der Frankfurter Verlagsanstalt mit sechs Titeln entstanden. Sie werden bis zum 18. Mai dieses Jahres vorgestellt.

Öffentlich sind die Blätter erstmals zu sehen. Lediglich vier Sätze umfasst die Auflage, sagt Christiane Wisniewski von der Galerie. Sie wurden nach den Originalzeichnungen Rauchs hergestellt und erweisen sich als seltene Dokumente, die teilweise auch Notizen zur Verwendung der Entwürfe enthalten. Im Kontext dazu stehen die schließlich gedruckten Bücher. Besser und authentischer kann eine vergleichende Betrachtung kaum ausfallen, sie entfaltet so eine besondere Nähe zum Entstehungsprozess.

Geschriebenes und Gezeichnetes im Einklang

Und es steht zu vermuten, dass die Meinungen bei den Rezipienten ähnlich unterschiedlich ausfallen, wie vor fünf Jahren, als die Titel erschienen. Ein Verlag ging damals einen ungewöhnlichen Weg, sollte wohl auf besondere Weise auf seine Edition aufmerksam machen. Wichtig auf jeden Fall, dass die Buchmacher Mut bewiesen, Geschriebenes und Gezeichnetes in Einklang bringen wollten.

Neo Rauchs Entwürfe haben gleich in mehrfacher Hinsicht Seltenheitswert. Nicht nur, dass er sich in erster Linie der Malerei widmet und in diesem Metier seine eigentliche Erfüllung findet. Die Grafik bleibt für ihn so etwas wie ein Nebenschauplatz, der sich jedoch als nicht minder interessant und sehenswert erweist. Wenige Arbeiten entstehen im Jahr. Da will niemand lediglich den Bedarf erfüllen. Für diese Lithografien mit einer Auflage von 35 oder 45 Exemplaren müssen die Liebhaber, sprich Sammler solcher Stücke deutlich mehr aufwenden, als zu vermuten ist.

Bei den in Aschersleben gezeigten Entwürfen handelt es sich um Giclée-Drucke, bei denen sich Künstler eines hochauflösenden Tintenstrahldruckers als Alternative zur Lithografie bedienen, um kleine Auflagen herzustellen. Eine gewisse Sprödigkeit zeigt sich. Kein Suchen nach dem rein gefällig wirkenden Buchtitel, dafür kraftvolle Striche, eher kantige Motive. Ein Experiment für einen Buchmarkt, der - mitunter in einer Zeit von E-Books totgesagt und in einem Kampf ums Überleben befindlich - auch Experimente wagt.

Nach dem 18. Mai wechselt die Ausstellung in der Neo-Rauch-Stiftung wieder komplett. Die jüngsten Zustiftungen des in Aschersleben geborenen Künstlers kommen dann zum Vorschein. "Das grafische Werk - Dritter Teil" heißt die Exposition, die ein Jahr zu sehen sein wird. Rund 70 Blätter umfasst derzeit der eigene Bestand. Jeweils das vorletzte Exemplar jeder Auflage gibt Neo Rauch in seine Heimatstadt.

Diese Hommage ist aller Ehren wert, der Region tut es gut, wenn solche Stiftungen und privates Engagement in einer Zeit des Rotstifts im Kulturbereich Zeichen setzen. Und ein Kompliment an die Stadt Aschersleben, die sich mit eigenen Mitteln am Funktionieren der Galerie beteiligt.

Die Ausstellung in den Räumen der Grafikstiftung, Wilhelmstraße 21-23, Aschersleben, ist mittwochs bis sonntags, 11-17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 3 Euro.

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