Berlin (dpa) l Er ist Deutschlands erfolgreichster Musiker: James Last hat Millionen Platten verkauft, jeder kennt ihn. Auch mit 85 macht der Dirigent und Arrangeur weiter - 2015 geht er wieder auf Konzertreise. Dabei hatte James Last noch im vergangenen Jahr erzählt, er wolle für "The Last Tour" angeblich zum letzten Mal auf Tournee gehen. An Rückzug denke er nicht, er mache weiter bis zum Umfallen, sagt der Erfinder des "Happy Party Sound" zwölf Monate später in Florida.

Im März 2015 steht wieder eine Konzertreise an, die Musiker sind engagiert, an den Noten arbeite er noch. Vor seinem 85. Geburtstag an diesem Donnerstag klingt Deutschlands Sonderbotschafter für gute Laune so, als ob ihm gerade der große Karrieresprung bevorsteht.

"Alles gut, alles super", sagt Last in die knacksende Telefonleitung. Er sei an diesem Morgen schon im Pool geschwommen, am Nachmittag wolle er noch eine Runde golfen - der Bandleader hat im Rentnerparadies der USA, wo er seit mehr als 30 Jahren lebt, seinen "american way of life" gefunden. In Deutschland guckten die Menschen an der Ampel immer so verbissen, "hier ist alles easy".

Schon früh am Klavier

Dass Hans Last, ein Beamtenkind aus Bremen, zum Musikstar aufstieg, klingt bei James Last wie die normalste Sache der Welt. Irgendwann habe es bei ihm gefunkt und sein Sound war geboren: Pop im Bigband-Format wie ein Film in Cinemascope, Stimmungsmusik, "Easy Listening" nennt sich der Stil. Für manche Kritiker klangen die Bearbeitungen wie bis zur Unkenntlichkeit weichgespülte Musik.

Dabei hat der 1929 geborene Last das Musikgeschäft von der Pike auf gelernt. Sehr früh saß er am Klavier, seine älteren Brüder Werner und Robert musizierten ebenfalls. 1943 besuchte er die Heeresmusikschule Bückeberg, in den ersten Friedensjahren spielten die Brüder im Tanzorchester von Radio Bremen. Dann gründete James eine eigene Band, Anfang der 50er wird er dreimal in Folge zum besten Jazzbassisten in Deutschland gewählt, 1955 engagiert ihn der NWDR.

Last tourt damals mit Unterhaltungsmusikern wie Helmut Zacharias und Michael Jary, für die er auch Arrangements schreibt. "Ich wollte einfach Partymusik machen." Vom Programm von Radio Kopenhagen, das sein Vater hörte, lässt sich Last inspirieren: Zur Musik mischt er Geräusche, ausgelassene Lacher oder Gläserklirren. Die Hörer sollen das Gefühl bekommen, dass die Feier längst im Gange ist, wenn sie und er an der Haustür klingeln. Seitdem verarbeitet der Arrangeur Titel von Popgrößen - von Christina Aguilera bis zu den Beatles. Die Songs gehen ineinander über im Wohlfühlklang.

Den Nerv der Zeit getroffen

Last trifft damit einen Nerv. Partystimmung soll ein sorgenfreies Leben suggerieren. Er komponiert damit den Soundtrack der jungen Bundesrepublik. Die lässige Haltung, mit der er sich vor das Orchester stellte, wird sein Markenzeichen. Bei all der zur Schau getragenen Lässigkeit - hinter dem Erfolg steht auch Knochenarbeit. Last schreibt die Noten für jedes Instrument vor und verschickt sie dann vor der Tour. "Jeder Musiker weiß genau, was er zu spielen hat. Da kann überhaupt nichts schieflaufen."

Aber eine Ungewissheit bleibt. Wird er diesmal wieder die Hallen füllen, um die Tour zu finanzieren? Rund 90 Personen umfasst die Produktion - eine teuere Sache. Der Musiker bleibt auch in dieser Frage seinem Naturell treu. Seit seiner Platte "Non Stop Dancing" hat er mehr als 80 Millionen Scheiben verkauft - das dürfte wohl auch sehr gelassen machen.

Er hat es geschafft, immer wieder neues Publikum zu gewinnen. "Ich erreiche Leute aus allen Generationen." Tatsächlich passt der weiche Last-Klang in den Lounge-Sound, zu dem in den Clubs gechillt wird.

Schicksalsschläge im Leben von James Last

Doch auch Schicksalsschläge sind ihm nicht erspart worden. Lasts erste Frau Waltraud wurde bei einem Autounfall schwer verletzt, 1997 starb sie an Krebs. Danach heiratete er die 30 Jahre jüngere Vermögensberaterin Christine Grundner.

Und dennoch: Mit fast 85 blickt er nach vorne. Schönes Wetter, eine wunderbare Frau, ein erfülltes Leben - was wolle er mehr. Das Leben sei, als habe er "jeden Tag Geburtstag". So könnte auch eine James-Last-Platte heißen.