Magdeurg l Seit Jahren sind Sonden mit Botschaften der Menschheit im All, um Kontakt zu Außerirdischen aufzunehmen. Geantwortet hat noch keiner. Das kann sich ändern, denn seit Mittwochnacht ist eine weitere Rakete hinzugekommen, gefüllt mit Botschaften der Premierenbesucher des Science-Fiction-Salons hoch unterm Dach des Figurenspiel-Museums des Magdeburger Puppentheaters.

Abgeschossen wurde sie von Claudia Luise Bose, Freda Winter und Tim Sandweg unter dem Titel "Nachts im Museum III: Zukunft - war doch das Gestern". An Bord ist der Speicherchip der Kamera, mit der die Wünsche aufgezeichnet wurden. Es kann schon sein, dass das Geschoss nicht mal die Umlaufbahn um das Puppentheater erreicht hat, was aber vielleicht gar nicht so schlecht wäre, denn schließlich ist nicht sicher, ob die Aliens bei diesen guten Wünschen nicht lieber wieder abgedreht hätten.

Der Science-Fiction-Salon, bei dem die Besucherzahl auf 15 Personen beschränkt ist, bietet neben dem Blick in die Weiten des Alls einen nach innen, auf uns selbst. Und da scheint es vor allem um Katastrophen, Heimsuchungen, Krieg und Vernichtung zu gehen. Es sind die Urängste vor allem Fremden, vor allem Unbekannten, die sich darin widerspiegeln.

Claudia Luise Bose, Freda Winter und Tim Sandweg machen das vor allem am Medium Film deutlich. Hier ist scheinbar Undenkbares möglich, und genau dies wird von den Künstlern manchmal ironisch, oft humorvoll, aber immer mit sehr viel Nachdenklichkeit über den Sinn des Seins und die Geißel der Borniertheit seziert. Keiner der Zuschauer wird verschont, das mit allen Sinnen zu erleben. Das reicht von der Monster-Eigenerfahrung im Dunkeln mit gruseligen Geräuschen, über Kurzinterviews der Zuschauer, das Malen von Aliens bis zum Walzertanzen für alle. Wer sich darauf einlässt, für den ist es ein köstlicher Abend voller Überraschungen.

Und dennoch: Science Fiction ist mehr als jede Form des Unheils, auch im Film. Dieses zu Unrecht verkommene Genre bietet ebenso die Möglichkeit des Blicks mit Distanz auf die blaue Kugel. Und dann werden Unterschiede unter den Menschen sehr relativ. Auch solche Filme gibt es. Der Gedanke fehlte mir. Dem Dargebotenen tat das allerdings kaum Abbruch, und es war köstlich zu erleben, wie sich die drei Darsteller durch das gewollt chaotische Geschehen unter dem Dachgebälk des Puppenmuseums improvisierten.

Die nächsten Vorstellungen sind am 3. und 10. Mai.