Halberstadt/Paris l Von der Halberstädter Orchesterwerkstatt zum Job für die Opéra de Bastille in Paris - was nach einem Karrieretraum klingt, ist Julian Lembkes Traumkarriere. Mit drei Kollegen vom Pariser Konservatorium arbeitet er im Moment an einer Kammeroper nach dem Buch "La croisade des enfants" (Der Kinderkreuzzug) von Marcel Schwob. Und das mit gerade einmal 29 Jahren.

Zugegeben, sein allererstes Stück ließ er nicht im Harz aufführen. Es wurde bei einem Festakt im Braunschweiger Dom gespielt - drei Sätze für ein Schlagzeugensemble. Damals war er 15. Doch das erste Mal, dass Julian Lembke eine Eigenkomposition mit einem professionellen Orchester einübte, das war tatsächlich in Halberstadt.

Vor zehn Jahren gehörte er zu den Kindern und Jugendlichen, die im Nordharzer Städtebundtheater an ihren Werken feilten. "Ich hatte eine Art Meditation über einen Traumzustand geschrieben", erinnert er sich. Vier Tage lang holte sich der Hannoveraner in Seminaren mit Profis Verbesserungsvorschläge und gab in den Proben seine Wünsche an die Musiker weiter.

Julian Lembke mit vielen Preise geehrt

"Kollegen mit den gleichen Problemen, viele Anregungen von den Dozenten, die Möglichkeit, mit einem Orchester zu experimentieren - das fand ich sehr bereichernd", schwärmt er heute. Und so kam es, dass der Niedersachse 2005 gleich noch einmal nach Halberstadt fuhr. Und 2008 ein drittes Mal.

In den folgenden Jahren ging es mit seiner Karriere steil bergauf. Julian Lembke siegte beim Deutschen Musikwettbewerb und erhielt von der Bayerischen Akademie der schönen Künste den Günter-Bialas-Preis. Seine Kompositionen sind international gefragt - nicht nur in Frankreich.

Nach Sofia etwa lieferte er 2012 ein Stück für Schlagzeug und Streichorchester, für die Italiener schrieb er vor kurzem eine Art Bühnenmusik zu Goethes "Märchen". Und an der Musikhochschule, an der er studiert hat, unterrichtete der 29-Jährige inzwischen bereits selbst.

Von Halberstadt nach Paris

Seine Erfahrungen aus der Orchesterwerkstatt waren auf seinem Weg nach oben durchaus hilfreich, sagt er: "Ich habe viel über den Umgang und die Möglichkeiten und Schwierigkeiten eines Orchesters gelernt."

Außerdem habe er damals Blut geleckt. Was es ist, das ihn bis heute so sehr am Komponieren reizt? "Ich finde es faszinierend, in eine Welt einzutauchen, in der vieles schon gesagt oder ausprobiert wurde, die Kombinationsmöglichkeiten aber unendlich sind", erklärt er. "Außerdem ist Komponieren für mich eine Art Filter, um sich und seine Umwelt besser zu verstehen."

Im September 2011 zog der Komponist nach Paris. Den Kontakt nach Halberstadt hat er aber nicht verloren. Im November 2011 reiste er für die erstmalige Aufführung einer Kammeroper in den Harz.

Beim Jubiläumskonzert der diesjährigen Orchesterwerkstatt am 8. Mai wird ein weiteres Werk von Julian Lembke uraufgeführt, ein Orchesterstück. Er selbst kann diesmal nicht dabei sein. Ein international gefragter Komponist schafft es eben nicht zu jedem Termin. Nicht, dass die Pariser wegen der Halberstädter zu lange auf ihre Kammeroper warten müssen.

Bilder