Die nächste Aufführung ist am Sonntag, 11. Mai, um 16 Uhr.

Magdeburg l Schulterkuss, Fächerschlag - was heute möglicherweise einen Sexismus-Sturm auslösen würde, hat Carl Millöcker als dramaturgischen Anlass für eine 1882 in Wien uraufgeführte humorvolle, auch ansatzweise gesellschaftskritische Operette verwendet.

Die Musik in Magdeburg, von der Philharmonie unter Pawel Poplawski engagiert und spritzig intoniert, sowie die zu Evergreens gewordenen Lieder wie "Ach, ich hab sie ja nur", oder "Ich setz den Fall", bis hin zu "Ich knüpfte manche zarte Bande" sind eigentlich Erfolgsgarant einer jeden Aufführung.

Keine zwingende historische Einordnung

Regisseur Nico Rabenald belässt die Handlung in Krakau, verlegt sie aber offensichtlich (Bühne Heike Scheele; Kostüme Karin Alberti) in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Damit erhält allerdings der polnische Befreiungskampf, in dem der Protagonist Symon (Andreas Früh, Schwiegermuttertyp mit farbigem Tenor) und vor allem sein Freund Jan (Kim Schrader, freiheitsliebend, mit klarem Tenor) eine eigentlich bedeutsame Rolle spielten, keine zwingende historische Einordnung.

Gut nachvollziehbar waren indes die humorvoll gezeichneten Charaktere, deren wahre innere Beweggründe und die scheinheiligen Offerten, ihre oft von jetzt auf sofort veränderten Denkansätze im Fortgang der Geschichte.

Für die geküsste Gräfinnentochter Laura (Julie Martin du Theil, apart in Spiel und Stimme) war die Sache abgehakt, auch weil der Küsser Oberst Ollendorf (Manfred Wulfert, brummelig aufschneiderisch, gleichsam komische Karikatur) kein Adeliger, kein standesgemäßer, wegen finanzieller Engpässe dringend gesuchter künftiger Ehemann war. Für Gouverneur Ollendorf, Chef der sächsischen Besatzungsmacht, war es jedoch ein nach Rache dürstender Affront.

Clown- und Komödianten-Einheitsmasse

Der Besucher erlebte Theater im Theater, viele Vorhänge an einer verwandlungsfähigen drehbaren Guckkastenbühne im Bühnenzentrum. Turbulent zum Auftakt: Die personenreiche Gefängnisszene mit polnischen Gefangenen und den sie besuchenden Frauen mit einem bestens aufgelegten, ein wenig an Schwejk erinnernden Gefängnischef Enterich (Markus Liske). Vorwiegend gepflegt adelig und entlarvend humorig geht es zu, wenn Gräfin Nowalska (Undine Dreißig) mit ihren Töchtern Laura und Bronislawa (Sylvia Rena Ziegler) auf "Männertour" waren.

Überhaupt ist das "etwas Vorspielen" fast aller Akteure Kerninhalt des dadurch teils verwirrenden Geschehens. Die adelige Gesellschaft, das Volk von Bürgern und Bauern, die Volksfestbesucher, die Hochzeitsgäste - bei Nico Rabenald sind sie eine zwar sehr bunt gekleidete, vielfältig agierende Menge, aber eben auch eine "Clown- und Komödianten-Einheitsmasse" in einem übergroßen Zirkus. Symbolisch wohl als "Spiegel ohne Tabu" gedacht, je nach Bedarf von unbändigem Zujubeln in vernichtende Abscheu umschwenkend. Diese Parts meisterten Opernchor und Statisterie mit viel Bravour.

Das Geschehen gewinnt an Fahrt, als sich Symon tatsächlich in Laura verliebt. Als der intrigante Ollendorf auf einen Trick hereinfällt, kommt alles zum Guten, jedenfalls für die beiden Gräfinnentöchter, den beiden vermeintlichen Studenten - auch am Rande für das polnische Volk.