Magdeburg l Damiet van Dalsum agiert als Einzelkämpferin. Deshalb auch hat sie bei ihren eigenen Inszenierungen alle Fäden auch tatsächlich in der Hand. So wirken die Stücke wie aus einem Guss, sind die Traum- oder Gedankenwelt einer Frau, die für ihren Beruf lebt. In deren Familie war die Schauspielerei Normalität. Sprichwörtlich fließt Bühnenblut in ihren Adern. Die klassische Ausbildung zur Schauspielerin jedoch endete mit dem Wechsel des Fachs. Puppentheater wurde zur eigenen kleinen Welt, einem Raum der Selbstverwirklichung. Schnell eröffnete die Künstlerin vor mehr als 45 Jahren ihre eigene Bühne mit gerade einmal 50 Plätzen. Sie wollte Nähe und Intimität, als Prinzipalin alles selbst organisieren.

"Ich hatte schon immer ein Faible für das Basteln, gestaltete gern", berichtet Damiet van Dalsum. Ein Lächeln im Gesicht bestätigt diese Faszination augenscheinlich. Die ersten Figuren entstanden wie noch heute aus oft ungewöhnlichen, zufällig aufgefundenen Materialien. Da verwandelt sich ein Fächer in einen Frauenkörper, der Kürbis wird zum Kopf, Netze geben einer Henne das passende Aussehen. Für die Niederländerin eine Chance, den Zuschauer zum Staunen anzuregen, ihn mit in ihre Fantasiewelt zu nehmen. Auf eine eigenwillige Weise weckt sie Emotionen. Ein Eintagsschmetterling ist da entstanden, der sich auf dem Flug zur Sonne in Tausende Staubteilchen auflöst. Im Inneren "bin ich immer noch ein Kind", erzählt sie.

Und dabei geht es ihr um das nahezu traditionelle Puppentheater. Auf offener Bühne spielt sie selten, möchte nicht die Konkurrenz der Puppe sein. Durch die Figuren erleben die großen und kleinen Zuschauer Abenteuer, werden mit auf die Reise genommen, zu denen Damiet meist auch die Texte schreibt. Das alles geschieht erfolgreich mit einem Konzept, das auf die Darsteller setzt, ihr wundervolles Äußeres und dabei fast vollständig auf Kulissen verzichtet. In der Magdeburger Exposition sind rund 80 Akteure aus vielen Jahrzehnten zu sehen.

"Alle sind für mich mit Erinnerungen verknüpft, jeder Einzelne ist ein Charakter, in den man sich einmal hineinversetzt hat", lautet die Einschätzung der rastlosen Frau. Und so ist auch der "Hollebollebeer" nach 21 Jahren wieder zurück an die Elbe gekommen, wo er schon einmal auf der Bühne stand.

Damiet van Dalsum ist mit ihren Erfahrungen gefragt, leitet Werkstatttage in unterschiedlichen Ländern, stellt ihre Figuren aus, arbeitet mit Nachwuchskünstlern zusammen. Am Magdeburger Puppentheater arbeitete sie von 1997 bis 2001 als künstlerische Leiterin, setzte Maßstäbe. Inszenierungen wie "Der Zauberer der Smaragdenstadt" oder "Der Himmel ist blau" kamen damals heraus. Erfahrung aus dieser Zeit möchte Damiet nicht missen. Mit einem Ensemble ihre künstlerischen Vorstellungen umzusetzen, Neues auszuprobieren, sei eine unverzichtbare Erfahrung gewesen. Die Erfahrungen am eigenen Haus mit Technik halfen bei der Umsetzung der eigenen Gedanken. "Im Westen gibt es viele Solisten, nur selten ein echtes Ensemble an einem Puppentheater", räumt sie ein.

Die Sonderausstellung ist mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 5, Kinder 3 Euro Eintritt.

Bilder