Joe Cocker hat zwei Markenzeichen: Eine Stimme wie ein Reibeisen und Armbewegungen, die Partygänger meist erfolglos nachzuahmen versuchen. Jetzt wird der Woodstock-Veteran 70 Jahre alt.

London (dpa) l Joe Cocker ist eigentlich kein sonderlich attraktiver Mann. Mit seinem schütteren Haar und dem Bauchansatz wirkt er auf der Bühne optisch eher dröge - bis der erste Klang der Musik ertönt. "Immer, wenn ich die Anfangsakkorde höre, dann ist es, als tauchte ich in eine andere Welt ein", sagte Cocker einmal. Seine einzigarten Armbewegungen und die unverwechselbar rauchige Stimme haben den Wahl-Amerikaner britischer Herkunft zur Rock- und Blueslegende werden lassen - und zu einem der wohl letzten Vertreter des Genres, das Kritiker gern als "ehrlichen Rock" bezeichnen. Am 20. Mai feiert der Woodstock-Veteran seinen 70. Geburtstag.

Die Show-Karriere begann schon früh für Cocker. Im Alter von 15 Jahren trat er mit seiner Band "Vance Arnold and the Avengers" in seiner Heimatstadt Sheffield auf. Zunächst führte Cocker ein Doppelleben: Tagsüber arbeitete er als Gasinstallateur, während er nachts mit seiner Band in den Kneipen Sheffields spielte. 1963 feierte seine Band ihren ersten Erfolg - sie durfte als Vorgruppe ein Konzert der Rolling Stones eröffnen.

Eine Coverversion der Beatles brachte Cocker 1968 den großen Durchbruch. "With A Little Help From My Friends" landete in Großbritannien auf Platz eins der Charts, in Deutschland auf Rang drei. Beim Woodstock-Festival im Jahr darauf war Cocker die Hauptattraktion. Er sang den Hit live mit einem einzigartigen Luftgitarrenspiel. Spätestens dann wurde die zuckende Armgestik sein Markenzeichen.

In einem Interview mit der britischen Zeitung "Daily Mail" im März 2013 erinnert sich Cocker an den Beginn seiner Karriere: "Die ersten Jahre waren toll. Ich wusste nie, was der nächste Tag bringen würde. 1972 ging es dann bergab." Die 70er Jahre waren für Cocker von Drogen- und Alkoholexzessen gezeichnet. "Drogen gab es überall, und ich stürzte mich darauf. Und wenn du erst mal in dieser Abwärtsspirale bist, dann ist es schwierig, da wieder rauszukommen. Ich brauchte Jahre, das zu schaffen."

Erst als Cocker 1978 seine künftige Frau Pam Baker kennengelernt hatte, änderte sich sein Leben. "Pam hat mir geholfen, wieder auf die Beine zu kommen", sagte Cocker. "Sie machte mir klar, dass die Leute mich immer noch singen hören wollten." Mit seinem Comeback in den 80ern landet Cocker Hits wie "When The Night Comes", "N`oubliez jamais", "Unchain My Heart" und das Duett "Up Where We Belong" mit Jennifer Warnes, für das er 1983 einen Grammy Award bekam.

Die Rockfans halten Joe Cocker die Treue. Die Alben "Hard Knocks" und "Fire It Up", die Cocker 2010 und 2012 veröffentlichte, landeten in Deutschland an der Spitze der Albumcharts. Heute lebt Cocker mit seiner Frau auf einer abgeschotteten Ranch im US-Staat Colorado.