Magdeburg l "Haben Sie für Weihnachten Gäste eingeladen? Sagen Sie denen ab - das hier kann länger dauern!" Die Damen hinten links glucksen. Gleich noch einer hinterher: "Sind hier eigentlich Gäste aus dem außereuropäischen Ausland, also aus Niedersachsen?" Jawoll, jetzt hat er sie fast alle.

Stefan Wolter weiß, was beim Publikum zieht. Schließlich macht er seinen Job bei "Quickie" schon seit neun Jahren. Einmal im Monat reist der Pulikumsanheizer - in hippem Englisch: Warm-Upper - für die Quizshow-Aufzeichnungen im Landesfunkhaus aus Schleswig-Holstein an. Dann bringt er fünf Dutzend Menschen zu Dingen, von denen Grundschullehrer bei Schülern träumen: eine dreiviertel Stunde lang gerade sitzen, gespannt nach vorn schauen und dabei immer schön lächeln.

Aus schräger Lache wird ein Lacher

Hinzu kommt eine regelrechte Klatsch-Orgie - mal wird lange applaudiert, mal kurz, mal mit Jubel für eine richtige, mal mit Säufzern für eine falsche Kandidaten-Antwort. Was wann zu tun ist, erklärt Stefan Wolter vor der Sendung, nachdem er sein Publikum in Stimmung gebracht hat. Wenn dann die Kamera läuft, vergnügt sich alles auf sein Zeichen. Und das in tropischer Scheinwerferhitze. Wie hält er die Herrschaften nur so gut bei Laune?

"Ich gebe nicht den arroganten Schnösel, sondern mache Späße auf Augenhöhe", erzählt der 53-Jährige. Die entstehen meist aus der Situation heraus, mithilfe von Grundgerüsten. "Wenn zum Beispiel ein Zuschauer eine schräge Lache hat, sage ich ihm: `Da hat sich ja jemand gut vorbereitet!` Dann frage ich nach seinem Namen, und daraus ergeben sich Wortspiele."

Ein paar Sprüche aus der Schublade hat Stefan Wolter aber auch in petto, zum Beispiel den hier: "Ich geh` nicht in die Maske - ich muss zum Stukkateur!" Geklaut sind seine Witze fast nie, schwört er. Und wenn, dann nur von den Meistern der Sprachjonglage - Heinz Erhardt, Peter Frankenfeld, Hans-Joachim Kulenkampff.

Grund für all seine Mühen sind die Zuschauer vor den Bildschirmen: "Fernsehen ist manchmal pragmatisch und langweilig. Das sollen die Menschen aber nicht merken."

Entdeckt als Gast bei Jörg Pilawa

Die Routine, mit der er ihre Illusion von der durchweg emotionsgeladenen Show erhält, kommt aus jahrelanger Erfahrung. Schon als Schüler verdiente er sich als Moderator in Großdiskos ein paar Mark dazu. Nach dem Abi machte er dann erst mal eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Danach war aber Schluss mit Ernst, er ging zum Radio.

Den Sprung zum Fernsehen schaffte der Schleswig-Holsteiner durch Zufall. 1997 wurde er in Jörg Pilawas Talkshow entdeckt, Thema: "Meine letzte Chance - heute kauf` ich mir einen Mann." Weil er zuvor Männerversteigerungen moderiert hatte, sollte er das Prozedere mit dem Publikum durchspielen. Ehe er sich versah, bespaßte er die Zuschauer der Talkshow-Veteranen von A wie Andreas Türck bis Z wie Sonja Zietlow.

Zu "Quickie" gekommen ist der 53-Jährige über einen früheren Job als Warm Upper in Magdeburg - bei Telebingo. Neben dem Mitteldeutschen wärmt er auch Publikum beim Norddeutschen Rundfunk auf - ein anderer Schlag Mensch, sagt er: "Der norddeutsche Charme ist ein bisschen derber. Hier schlägt man leisere Töne an, außerdem sind die Leute sehr aufmerksam."

Treu sind sie auch. Zum Beispiel der Feuerwehrmann, der hinten in der Mitte sitzt. "Ein Stammgast, hat Knieprobleme", flüstert Stefan Wolter, während Moderatorin Andrea Ballschuh den ersten Kandidaten verarztet. Dann loggt sie die nächste Antwort ein, und eine gefühlte halbe Sekunde später steht Wolter neben dem Kameramann, ballt begeistert die rechte Hand zur Faust und reißt dabei das linke Knie hoch. Der Feuerwehrmann muss natürlich nur klatschen.

   

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