Magdeburg l "Manni", das vom Kabarett "... nach Hengstmanns" etablierte Machteborjer Unikum, ist eine Ausgeburt sozialistischer Unmoral. Das Produkt eines Seitensprungs von Margot Honecker und Walter Ulbricht - so erzählt bei der Premiere des Hengstmann-Open-Air-Kabaretts "SuperManni" am Donnerstagabend.

Das Freigelände des Technikmuseums - in Sichtweite Ruinen des Thälmannwerkes - ist ein idealer Ort, sich in die Vergangenheit zu katapultieren. Dort steht Walter Ulbricht und versucht am roten Pult eine flammende Rede. Nach einem verschluckten "Liebe Genossen ..." bleibt der Text weg, die Stimme versagt. Wie peinlich! Frank Hengstmann gibt einen herrlich hilflosen Ulbricht.

Es kommt noch dicker. Eine FDJ-Singegruppe marschiert ein und schmettert zur Klampfe: "Die Partei ernährt uns, die Partei macht uns frei". Das Publikum ist drin im Damals - allerdings herrlich vergnügt. Es erlebt ein kabarettistisches Musical mit schlüssiger witziger Story.

Den Abend tragen spielerisch die drei Hengstmanns, Vater Frank (als Ulbricht und Manni) und die Brüder Sebastian und Tobias in diversen Rollen. Sie schrieben auch die Texte und die Musik. Regisseur Bernd Kurt Goetz stellte das Ensemble, das Franziska Hengstmann, Klaus Schaefer und Christian Karius komplettierten, gut ein.

Man lacht Tränen, wenn Frank Hengstmann als Manni in Pömmelte 58 Jahre nach seiner Aussetzung seine alten Stiefeltern trifft, Franziska Hengstmann die tattrige Omi gibt, Tobias Hengstmann mit Krückstock und ulkiger Mimik den bärbeißigen Opi mimt.

Gekonnt albert Familie Hengstmann an der Pommesbude: Manni findet seinen verschollenen Sohn Matze (Tobias Hengstmann). Langzeitstudent Malte (Sebastian Hengstmann) gibt Kommentare ab. Bei Machteborger Slang ("Ich habe uffje-stauten Dampf in der Ommel.") und pseudophilosophischem Geseiere kommt das Publikum aus dem Lachen nicht heraus.

Bei aller Albernheit bleiben Hiebe auf politische Aufreger nicht aus - auf Hartz IV und Bildungsnotstand etwa. Oder auf die Untertunnelung Magdeburgs am Damaschkeplatz. Dabei glänzt Klaus Schaefer als Oberbürgermeister Trümper. Von ihm hätte man gern mehr gesehen, besonders nach seinem brillanten russischen Offizier, dem es nach einem Zungenkuss mit Genosse Ulbricht verlangt ("nein, nicht auf die Gusche!").

Durchzogen ist "SuperManni" von musikalischen Einlagen, bei denen die Protagonisten in Saiten und Tasten hauen und es am Schlagzeug krachen lassen. Obendrein trägt eine tanzende Damen-Combo witzig-sinnige Texte vor. Ein schöner Abend.