Magdeburg l Zwölf Stunden Aufbau und Ausleuchtung für 50 Minuten Marionettentheater - die Künstler vom Théâtre Jeune Pulblic (TJP) aus Strasbourg mögen es offenbar aufwändig. Das Ergebnis ihrer Vorbereitungsprozedur ist am heutigen Donnerstag im Schauspielhaus Magdeburg zu sehen. Am letzten Tag von "Blickwechsel", dem Internationalen Figurentheaterfestival des Puppentheaters, bringt das TJP ab 20.30 Uhr eines der größten literarischen Werke der Menschheit auf die Bühne: "Actéon Miniature" - die Aktaion-Sage aus Ovids "Metamorphosen.

Im Mittelpunkt steht der Heros Aktaion. Bei der Jagd verirrt er sich in eine Höhle, wo er die Göttin Diana beim Baden überrascht. Als Aktaion ihren nackten Körper erblickt, ist sie zutiefst erzürnt und verwandelt ihn in einen Hirsch. Der Sprache beraubt, flieht er - und wird schließlich von seinen eigenen Hunden gerissen.

Auf der Bühne agiert nur eine Puppenspielerin. Hinter der Aufführung steckt allerdings ein zehnköpfiges Team - vom Ton-, über den Lichttechniker bis hin zum Raum-Verantwortlichen. Sie alle tragen dazu bei, dass das Stück auch ohne Sprache verstanden wird. Streiflichter und Soundcollagen aus klassischer Musik mit Geräuschen erzeugen eine mystische Stimmung. Auch die Spielart macht es möglich, Worte zu entbehren. Frank Berhardt vom Puppentheater Magdeburg erklärt: "Die Spielerin hat eine eigene Rolle. Diese Korrespondenz von Mensch und Puppe ist charakteristisch für Stücke des TJP." Diesen Stil eingeführt hat der künstlerische Leiter des Theaters, Renaud Herbin, als er 2012 seine Stelle in Strasbourg antrat.

Das Stück ist übrigens nicht nur für Erwachsene geeignet, sondern auch für Kinder ab 8 Jahren.