Berlin (dpa) l Wahr gewordener Alptraum eines Schriftstellers: "Im Jahre 1933 wurden meine Bücher in Berlin, auf dem großen Platz neben der Staatsoper, von einem gewissen Herrn Goebbels mit düster-feierlichem Pomp verbrannt", erinnerte sich Erich Kästner später an die Untat der Nationalsozialisten vom 10. Mai 1933. Zwei Dutzend deutsche Schriftsteller wollten die Nazis symbolisch austilgen. "Ich war der Einzige der 24, der persönlich erschienen war", schrieb Kästner, der vor 40 Jahren, am 29. Juli, im Alter von 75 Jahren in München gestorben ist.

So generationenübergreifend wie er haben nur wenige Autoren in der deutschsprachigen Literatur geschrieben. Der Durchbruch gelang ihm 1929 mit dem Kinderbuch "Emil und die Detektive", das etliche Male verfilmt wurde, etwa im Jahr 2001 unter anderen mit Jürgen Vogel. Kästner hatte für seine jungen Leser stets eine Sprache auf Augenhöhe parat, formulierte nie von oben herab. Auch mit "Pünktchen und Anton" (1931), "Das fliegende Klassenzimmer" (1933) oder "Das doppelte Lottchen" (1949) bewies er diese Kunst. Die Popularität seiner Kinderbücher erreichte sein "Fabian" zwar nicht, doch ist dieser Großstadt-Roman von 1931 mit dem Untertitel "Die Geschichte eines Moralisten" sein Meisterwerk.

Erzählt wird aus dem Leben des arbeitslosen Germanisten und Bohemien Jakob Fabian, der Ende der 20er Jahre durchs überhitzte Berlin streift. Eingefangen wird ein Zeitgeist zwischen Politik, Medien, Liebe und Sex, die dem Lebensgefühl von heute näher ist, als man glauben könnte.

Rechtzeitig zum 40. Todestag ist eine Urfassung des Buchs erschienen. Das Manuskript war damals vor Erscheinen gekürzt worden. Jetzt liegt der Roman zum ersten Mal so vor, wie Kästner es ursprünglich wollte - mit dem Titel, der eigentlich geplant war: "Der Gang vor die Hunde".