Eisenach (epd) l Das Eisenacher Lutherhaus will künftig die Bibel publikumswirksam in den Fokus rücken. Mit der Wiedereröffnung des Museums am 26. September 2015 werde eine neue Dauerausstellung unter dem Titel "Luther und die Bibel" die Heilige Schrift in vielfältigen Facetten beleuchten, kündigte Kurator Jochen Birkenmeier im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) an. Die Schau solle wissenschaftlichen Kriterien ebenso gerecht werden wie den Besuchererwartungen an eine Ausstellung zur Reformationszeit und ihren Folgen.

In dem Haus aus dem 14. Jahrhundert, das als eines der ältesten Gebäude in ganz Thüringen gilt, wohnte der Überlieferung nach Martin Luther (1483-1546) während seiner Schulzeit von 1498 bis 1501. Derzeit wird das 1956 gegründete Museum saniert und für das 500. Reformationsjubiläum 2017 gerüstet. So soll ein Erweiterungsbau einen Rundgang, die angemessene Betreuung von Besuchergruppen und Barrierefreiheit ermöglichen.

Die künftige Ausstellung zeige zum einen Luthers Biografie und den theologischen Hintergrund seiner Bibelübersetzung, sagte Birkenmeier. Dabei werde auch auf frühere Übertragungen der Heiligen Schrift verwiesen. Ein weiterer Aspekt sei die Wirkungsgeschichte der Lutherbibel in Musik, Sprache und Literatur. "Im 18. Jahrhundert wurde die Bibel zur Massenware", sagte Birkenmeier unter Hinweis auf die 1710 in Halle gegründete Cansteinsche Bibelanstalt.

Zudem werde in der neuen Ausstellung erstmals das antisemitische "Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben" dargestellt. Die durch das Eisenacher "Entjudungsinstitut" in der NS-Zeit "entjudete Bibel" sei "ein krasses Beispiel für eine fehlgeleitete `Revision` des Bibeltextes".

Ausstellung soll Stärken und Grenzen Luthers zeigen

"Wir wollen zeigen, dass es vor, neben und nach Luther auch andere theologische Positionen gibt und Luthers Auffassungen durchaus infrage gestellt und diskutiert werden dürfen", betonte Birkenmeier. Mit der Ausstellung sollen Besucher auch angeregt werden, sich mit populären Legenden und Vorurteilen zu Luther auseinanderzusetzen.

"Es geht aber nicht um theologisches Spezialwissen, sondern um eine spannende Ausstellung für ein breites Publikum", betonte der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung Lutherhaus. Vermieden werden solle auch "eine Art Heldenverehrung". "Wir bemühen uns um ein nüchternes Lutherbild, das die Leistungen des Reformators aufzeigt, aber auch seine Grenzen etwas stärker deutlich macht."

Die angestrebte "ökumenische Offenheit" sei für die Besucher zugleich eine Einladung, das Verbindende der Bibel besser zu erkennen, sagte der Kurator, der vor seinem Wechsel nach Eisenach in Eisleben die neue Ausstellung in Luthers Sterbehaus gestaltete. Neben klassischen Exponaten wie Gemälden, Dokumenten und sakraler Kunst seien auch moderne Medienstationen geplant, an denen weitere Informationen abgerufen werden können.