Magdeburg l Der altehrwürdige Magdeburger Dom hat in den vergangenen Jahren zahlreiche kulturelle Glanzlichter erlebt. Sie erzählten von einem untergehenden Schiff, Elenden, der Liebesgeschichte eines ungleichen Paares und malten zuletzt Science-Fiction-Rock in knallbunten Farben.

Am vergangenen Samstagabend strömten die Magdeburger zu Hauf auf den Domplatz, um sich von einer unsterblichen Nachlese von Verdis Opernmelodien und Carl Orffs Mittelalterspektakel "Carmina Burana" verzaubern zu lassen. Letztere wurde gewürzt mit einer Licht- und Laser-Show von Jürgen Matkowitz.

Unter der musikalischen Leitung von Norbert Baxa musizierte die Nordböhmische Philharmonie Teplice gemeinsam mit den Solisten Luisa Albrecht (Sopran), Nicolas Visnak (Tenor), Niklas Nekrasso (Bariton) und dem Chor der Prager Philharmonie. Im ersten Teil präsentierten sich die drei Solisten mit Arien aus Guiseppe Verdis berühmtesten Opern.

Luisa Albrecht sang "Pace, pace, mio Dio" aus der "Macht des Schicksals" und gestaltete den dramatischen Part mit feinen Nuancen; rund und sauber erklang ihre ausdrucksvolle Stimme. Nicht ganz mühelos wirkte Nicolas Visnaks Tenor, voll und ausgeglichen sang Bariton Niklas Nekrasso. Unspektakulär begleitete das Orchester die Arien, kraftvoll intonierte der Chor nach anfänglicher Orientierungssuche. So gerieten der Gefangenenchor aus "Nabucco" und "Coro di Zingari" aus dem Troubador zum angemessenen Hörerlebnis.

Nach der Pause erklang Orffs berühmte szenische Kantate. Schade, dass der Zuhörer während der Einführung aus der Konserve nur wenig über den Inhalt und Historie erfuhr. Wem dies unbekannt war, merkte natürlich nicht, dass den Ausführenden der Mut zum Vulgären, den Orff letztendlich verlangt, fehlte. So versprühte die Szenerie "In Taberna" mit seinem unbändigen Gelage wenig Charisma und Feuer, der gebratene Schwan im quietschigen Falsett schien im Laserlicht unterzugehen.

Freilich gerieten die Tanzsätze temperamentvoll und schmissig und auch der Chorgesang war kraftvoll. Norbert Baxa trieb an und setzte knallharte Synkopen. Doch so geriet der übermütige Drive der Musik leicht aus dem Lot und wirkte manchmal nur noch knallend. Schön: der silbrige Schimmer der Sopranstimme und die feinsinnigen Nuancen des Baritons. Natürlich beeindruckten die bunten Lichteffekte über den Zuschauerköpfen, den letzten Tick Authentizität verliehen sie ihr jedoch nicht.

Der Veranstalter setzte den Schwerpunkt auf die vielen farbenprächtigen Zutaten, was die Frage nach des Kaisers opulentem Gewand im Märchen in die Gegenwart holt ...