München (dpa) l Liebe kann unendlich wehtun. Hanns von Meuffels hält sich deshalb lieber zurück. Doch dann verhört er im Gefängnis einen Mann, der als Mörder einsitzt und lernt dabei die Justizbeamtin Karen Wagner kennen, eine ebenso schüchterne wie einsame Frau. Schon ist es passiert: Von Meuffels ist verliebt. Viel Zeit für Gefühle hat er aber nicht. Eine Serie von Selbstmorden erschüttert das Gefängnis und der Kommissar muss in einer Atmosphäre aus Angst und Gewalt nach den Gründen suchen.

Bald ahnt er, dass seine Freundin mehr weiß, als sie zugeben will. Ein gefährliches Spiel aus Hingabe, Misstrauen und Verletzlichkeiten beginnt. "Morgengrauen" nennt Alexander Adolph die Folge des ARD-Krimis "Polizeiruf 110", die das "Erste" an diesem Sonntag um 20.15 Uhr zeigt.

Der spannende Film des Bayerischen Rundfunks lebt vor allem von den beiden Hauptdarstellern. Matthias Brandt und Sandra Hüller spielen zwei Menschen, die sich normalerweise nicht verlieben. Zu groß ist ihre Angst, verletzt zu werden. Sie stecken ihre Kräfte lieber in die Arbeit, die stressig, aber auch befriedigend ist. Zwei verwandte Seelen, das merken beide schnell. Scheu und verlegen lässt der Regisseur von Meuffels und Wagner umeinander herumstreichen. Doch ihre Neugier ist geweckt. Wer ist der andere? Das lässt sich im Internet oder über Personalakten herausfinden. Irgendwann erkennen beide, dass sie ihren Gefühlen schutzlos ausgeliefert sind. Als sie sich ihre Liebe gestehen, ist es viel zu spät für einen Rückzieher.

Doch ihre rosa Welt aus Liebe wird brutal und unvermittelt zerstört. Da ist es wieder, dieses Misstrauen, das alle Gefühle zunichte macht. Als von Meuffels im Gefängnis ermitteln muss, ist es für beide ein Schock. Er fühlt sich hintergangen, sie glaubt, er habe ihre Gefühle ausgenutzt, um an wertvolle Informationen zu gelangen.

"Humorlose, steife Ossischnepfn"

Wem vertrauen? Sicher nicht seinem Polizeikollegen Marcel Oberpriller (Andreas Lust). Er hat ständig einen ordinären Spruch parat, auch über die unscheinbare Karen Wagner: "Humorlose, steife Ossischnepfn". Und wenn es bei einer Vernehmung nicht so läuft, schlägt er auch mal zu.

Für von Meuffels das komplette Grauen. "Ich bin besonders humorlos, was Gewalt betrifft", stellt er ziemlich schnell klar. Und dann ist da noch sein alter Schulfreund, der Gefängnispsychologe Max Steiner (Axel Milberg), doch auch hier muss sich von Meuffels fragen: Kann er ihm vertrauen? Eine brisante Frage, die falsche Antwort könnte tödlich sein.

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