Der Opernsänger und Entertainer Gunther Emmerlich gastiert am Sonnabend, 6. September, ab 18 Uhr mit einem "Festlichen Konzert" im Havelberger Dom. Redakteurin Andrea Schröder unterhielt sich mit ihm.

Der Konzerttermin in der Hansestadt fällt zeitlich mitten in den Havelberger Pferdemarkt. Deshalb die Frage: Mögen Sie Pferde?
Gunther Emmerlich: Ich mag Pferde sehr. Doch jedes Mal, wenn ich auf einem sitze, tut es mir leid. Ich bin mal als August der Starke ins Dynamo-Stadion in Dresden geritten, ich glaube, das Pferd war sehr erleichtert, als ich wieder runter war.

Kennen Sie den Pferdemarkt?
Vom Namen her ja, besucht habe ich ihn noch nicht. Aber wenn es passt, schaue ich ihn mir gern an. Wir sind meist sehr früh in den Konzertorten, weil sich der Organist mit der Orgel bekannt macht. Da haben wir anderen Zeit, uns umzusehen.

Sie haben in der Region schon Konzerte in Werben, Bad Wilsnack und zuletzt 2012 in Sandau gegeben. Waren Sie auch schon im Havelberger Dom und was bedeutet dieser Auftritt für Sie?
Im Dom war ich noch nicht. Aber an das Benefizkonzert in Sandau für den Wiederaufbau der Kirche kann ich mich sehr gut erinnern. Unser Trompeter Kurt Sandau hatte das Konzert organisiert. Vor wenigen Wochen hatte ich das große Vergnügen, im Münster von Bad Doberan aufzutreten. Ich habe auch schon im Magdeburger und im Naumburger Dom gesungen. Ich gebe gern Konzerte in solchen Ehrfurcht erbietenden Gebäuden, in denen das komponierte Wort Gottes ein gutes Zuhause hat.

In unseren Kirchenprogrammen haben wir mit Werken von Bach, Händel, Mendelssohn-Bartholdy und Mozart solche, die in eine Kirche gehören. Andere mögen das anders handhaben, aber ich finde, ein jegliches hat nicht nur seine Zeit, sondern auch seinen Ort. Ich habe an diesem Sonntag, 31. August, den sehr ehrenvollen Auftrag, in der Stadtkirche in Wittenberg die Kanzelrede zu halten. Dort, wo Martin Luther das erste Mal evangelisch gepredigt hat. So geweiht komme ich nach Havelberg.

Sind Sie kirchlich?
Ja, und zwar von Anfang an. Ich wurde getauft und in der DDR konfirmiert, nicht gejugendweihlicht. Ich habe auch kirchlich geheiratet.

Zum "Festlichen Konzert" in Havelberg bringen Sie langjährige Begleiter und Freunde mit. Was erwartet die Besucher?
Kurt Sandau war viele Jahre Solotrompeter der Dresdner Staatskapelle, Organist Klaus Bender Korrepetitor und Dirigent. Wir kennen uns seit unserer Arbeit an der Semperoper. Mit Cellistin Sabina Herzog treten wir seit vielen Jahren mit unterschiedlichen Programmen auf. Wir sind ein eingespieltes Team. Zwischen den Musikstücken gibt es Heiteres und Interessantes über die Komponisten und die Zeit, in der sie lebten, sowie Bemerkungen von Martin Luther. Außer Bach, Händel, Mendelssohn-Bartholdy und Mozart erklingt Spirituelles und Gospel. Das macht uns Spaß, und es gestaltet das Programm farbiger.

Sie sind nicht nur als Opernsänger bekannt, sondern auch als Entertainer. War "Showkolade" 1987 Ihr erster Ausflug ins Fernsehen?
Meine ersten Gehversuche machte ich in der "Nacht der Prominenten", in der ich als Zirkusdirektor auftrat. Dann kam die "Showkolade", zu der es übrigens am 20. September im MDR einen Rückblick geben wird.

War es für Sie schwer, sich nach der Wende in Gesamtdeutschland zu etablieren?
Ich bin in kein Loch gefallen, ich habe seither immer zu tun gehabt. Aber es war anders. Bis zur Wende hat man zwischen den Zeilen gesagt, was man denkt. In "Showkolade" haben wir die Wahrheit irgendwo in unseren Texten versteckt. Das war dann nicht mehr nötig. Ich bin viel unterwegs, spiele nach wie vor gern Theater, gebe Konzerte, moderiere Fernsehsendungen, zum Beispiel eine Weihnachtssendung. Außerdem beende ich gerade mein drittes Buch, die Lesungen machen mir viel Spaß.

Mit der ARD haben Sie den Zuschauern die "Zauberhafte Heimat" näher gebracht. Was bedeutet Heimat für Sie?
Heimat war in der Sendung sehr weit gefasst. Wir waren in Kairo und Venedig, aber auch in Leipzig und Dresden. Übrigens war Tangermünde für mich die Entdeckung überhaupt. Das ist eine tolle Stadt, die noch sehr geprägt ist von Karl IV. Und das Kloster Jerichow gleich nebenan - wenn mich irgendwer fragt, wo er am Wochenende hinfahren könnte, empfehle ich Tangermünde.

Für mich ist Heimat der Ort, wo man alles das erste Mal gemacht hat. Das verbindet auf ewig. Im thüringischen Eisenberg, wo ich geboren bin, habe ich nach dem Krieg geklaut und geholfen, bin nachts beim Pilzesuchen eingeschlafen und am Morgen inmitten von Steinpilzen aufgewacht. Dort habe ich das erste Mal Händchen gehalten und eine rote Birne gehabt.

Sie gehörten 20 Jahre zum Ensemble der Semperoper. Erklingt Ihre Bassstimme dort auch heute noch?
Zu Gastauftritten ja. Ich hatte dort 1992 gekündigt, denn ich wollte selber entscheiden, wo ich wann auftrete. Das geht mit einem festen Engagement nicht. Es war eine sehr schöne Zeit in der Semperoper. Zur Wiedereröffnung 1985 habe ich dort den Kuno aus dem Freischütz gesungen.

Geblieben sind die Auftritte mit der Semper-House-Band und dem damit verbundenen Jazz. Haben Sie ein großes Vorbild aus diesem Musikgenre?
Ein großes Vorbild gibt es nicht. Bei Louis Armstrong war ich zu frühen DDR-Zeiten im Konzert. Ella Fitzgerald, Mahalia Jackson, Frank Sinatra, Ray Charles und Sammy Davis Junior gehören dazu. Mit dem Jazz ist es wie dem Humor: Man hat ihn, oder man hat ihn nicht.

Sie sind in vielen Ländern der Welt aufgetreten. Wo möchten Sie gern noch auftreten?
Da habe ich keine speziellen Wünsche. Ich nehme es, wie es kommt. Im nächsten Jahr spiele ich bei den Opernfestspielen in Bad Hersfeld den Ollendorf aus dem Bettelstudent. Den habe ich noch nie gesungen. Ich denke, er könnte mir Spaß machen.

Karten im Vorverkauf gibt es in der Touristinfo Havelberg, Tel. (039387)79091.