Hamburg (dpa) l Nach dem vierten WM-Stern für die deutschen Fußballer geht es in Hamburg zurück zum ersten: "Das Wunder von Bern" lebt in der Hansestadt wieder auf - als Musical nach Sönke Wortmanns gleichnamigem Kinoerfolg über den Triumph der Kicker von 1954. Als eine der bisher größten Musical-Eigenproduktionen soll es auf die Bühne kommen: Etwas so groß Dimensioniertes habe es in Deutschland wahrscheinlich noch nicht gegeben, sagte Regisseur Gil Mehmert am Donnerstag. Dabei bedeutet der Anpfiff des Fußball-Musicals für die Hansestadt ohnehin schon mehr als "nur" eine weitere Show.

Für 65 Millionen Euro baute der Musicalkonzern Stage Entertainment ein neues Haus im Hafen. Dort soll vom 23. November dieses Jahres an vor dem Hintergrund des deutschen Titelgewinns bei der Fußball-WM 1954 eine Vater-Sohn-Geschichte (im Film gespielt von Peter Lohmeyer und seinem Sohn Louis) erzählt werden. Das neue Theater an der Elbe wird die vierte große Spielstätte des Marktführers in Deutschlands Musicalhauptstadt, die sich nach New York und London als dritte Metropole in diesem Markt behaupten will.

Schon jetzt drittgrößter Musical-Standort der Welt

Längst sind Musicals für Hamburg zum wichtigen Tourismusmagneten und kulturellen wie wirtschaftlichen Faktor geworden. Rund zwei Millionen Besucher verbuchen allein die bisherigen drei großen Stage-Häuser jährlich. Das neue Theater bietet künftig Platz für mehr als 1800 Zuschauer, weitere 650000 Gäste pro Jahr könnten so hinzukommen, rechnen die Macher. "Bereits jetzt ist Hamburg der drittgrößte Musicalstandort der Welt", betonte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), als die neue Show für den Hafen Anfang des Jahres angekündigt wurde.

Bei repräsentativen Befragungen des Publikums seiner Hamburg-Häuser (derzeit "Rocky", "Phantom der Oper" und "Der König der Löwen") ermittelte etwa Stage Entertainment, dass die Zahl der Übernachtungen seiner Gäste in der Hansestadt von 2010 bis 2012 von durchschnittlich zwei Nächten auf zweieinhalb gestiegen ist. "Die Wertschöpfung außerhalb der Theater - das Geld, das Gäste zusätzlich ausgeben - erhöhte sich von 495,7 Millionen Euro auf 590,8 Millionen", sagt Sprecher Stephan Jaekel.

Die Kapazität wächst auf täglich 10000 Sitzplätze

Auch die Konkurrenz setzt auf Hamburg: Der Konzern Mehr! Entertainment ("Starlight Express") errichtet in der Großmarkthalle eine eigene Spielstätte mit 2000 Sitzplätzen. An der Spitze der Firma aus Düsseldorf steht Maik Klokow, der mehrere Jahre lang Chef bei Stage Entertainment war. "Wir liegen im Plan", berichtete eine Sprecherin von Mehr! Entertainment erst vor kurzem. "Definitiv im nächsten Jahr" werde das Theater eröffnen. Was dann auf die Bühne kommt, solle noch geheim bleiben.

"Mit den zwei neuen Musicaltheatern werden 100 Millionen Euro von der Privatwirtschaft in den Musicalstandort Hamburg investiert", heißt es bei der Hamburg Tourismus GmbH. "Die Kapazität wächst dann an auf täglich 10000 Sitzplätze." Damit baue die Stadt ihre Position als wichtigste Musicalmetropole in Deutschland aus. Jährlich seien fortan rund drei Millionen Musicalgäste möglich - und diese besuchten auch zahlreiche weitere Kultureinrichtungen.

Das neue Stage-Theater entstand neben dem "König der Löwen" und wird nach einer gerade zu Ende gegangenen Bürgerabstimmung weiterhin hauptsächlich per Fähre, nicht aber mit einer Seilbahn - wie die Musicalmacher es sich gewünscht hatten - erreichbar sein. Seit 2001 läuft Disneys Löwenkönig in Hamburg, wo seit 2013 auch wieder "Das Phantom der Oper" zu sehen ist. Mit letzterem, vor allem aber mit "Cats" begann einst die Musical-Karriere der Hansestadt. Von 1986 an war "Cats" fast 15 Jahre lang zu sehen, auf elf Jahre brachte es das 1990 gestartete "Phantom". Es folgten Stücke wie "Buddy Holly", "Mamma Mia!", "Dirty Dancing", "Tarzan" oder "Sister Act".

Und von Herbst an "Das Wunder von Bern". Die Kosten liegen im zweistelligen Millionenbereich, berichtete Jaekel. Die Proben beginnen am 10. September. Die Hauptdarsteller - von der Familie des Kriegsheimkehrers Lubanski bis hin zu den Fußballhelden rund um den Siegtorschützen Helmut Rahn und Trainer Sepp Herberger - gaben am Donnerstag bereits kurze Einblicke in die Show. Ein Geheimnis wollen die Macher aber möglichst bis zum Ende wahren: wie sie das Endspiel im Musical darstellen werden. Denn fest steht laut Regisseur: "Wir werden sicherlich nicht Fußball auf der Bühne spielen."

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