Magdeburg l Man nehme eine abrissreife Fabrikhalle, simuliere den Empfang unbekannter Frequenzen mit einem alten Weltempfänger in einer schlaflosen Nacht, lasse der Stimme den freien Lauf und lade sich dazu Gäste ein... Die kommen en masse, auch wenn die "Factory" für manchen Magdeburger "janz weit draußen" zu liegen scheint und mit dem Sender "Radio Doria" niemand so recht wusste, was auf ihn zukommt. Rudi Wurlitzer (Knockin on heaven´s Door) und Professor Dr. Karl Friedrich Boerne aus dem Münsteraner "Tatort" helfen ein wenig nach.

Doch der hier mit seiner Band auf der Bühne sein Bestes gibt, ist weder der eine noch der andere. Er ist er selbst, Jan Josef Liefers, der Musiker. Er erzählt dem Publikum Geschichten von seinen durchwachten Nächten, Träumen und Erlebnissen. Natürlich sind die nicht alle spektakulär, doch wessen Leben verläuft stets mit voll aufgedrehten Reglern?

Es ist die feine, sensible Art, wie Jan Josef Liefers den Draht zu den Zuhörern findet und sich Gehör verschafft. Wie er die Alltäglichkeiten und das Belanglose serviert... Das vertraute Bonbon mit dem Kern aus Brausepulver löst bei dem einen nur ein sanftes Kribbeln auf der Zunge aus. Der, der drauf beißt, spürt das belebende Zischen.

Liefers` Stimme kommt kraftvoll daher, so in "Willkommen im prallen Leben" oder auch mit schönem Schmelz wie in "Unbeschreiblich" oder "Rückenwind". Liefers modelliert, albert oder mimt den Seriösen. Die Band rockt eingängig, mal überschwänglich laut und ausgelassen, mit herrlichen Gitarrenriffs - aber auch melodisch-nachdenklich und einfallsreich wie im "Mondlied".

Liefers philosophiert, kalauert, sich selbst nicht ganz so ernst nehmend und bleibt doch immer authentisch. Das geht zu Herzen, wenn das Publikum Blacky Fuchsberger nachwinkt oder einstimmig im Chor "...oho ohohoho oh..." fast hymnisch der "Sehnsucht Nr.7" nachspürt.

Der Sender hat seinen Empfänger gefunden. Letzterer erfährt, wie aus einem romantischen Lied ein Kampflied wurde, fragt sich vielleicht auch, was die Fahne im Mond macht und sinniert, "wie wir werden, was wir waren". Wie eine Welle erfasst der Groove die Halle, und Leipzig wird vom fantasievollen Träumer Liefers zum Vorort von Magdeburg ernannt. Am Ende kommt der Empfänger gar nicht mehr los vom Sender. "Radio Doria" fest programmiert. "Man fällt richtig vom Fleisch bei euch", konstatiert Sänger Liefers und gibt doch drei Zugaben.