Max Uhlig

1937
Geboren am 23. Juni in Dresden.

1951/54
Lehre als Grafischer Zeichner in einer Reklamewerkstatt, anschließend Grafischer Zeichner an der TH Dresden

1955/60
Studium der Freien Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Hans Theo Richter und Max Schwimmer

1960
Mutter und Geschwister fliehen aus der DDR

1961/63
Meisterschüler an der Akademie der Künste Berlin bei Hans Theo Richter

1964/1995
Arbeit als freischaffender Künstler in Dresden, zahlreiche Arbeitsaufenthalte im In- und Ausland, zahlreiche Preise und Ausstellungen

1980
Erste Beteiligung an der ART/Basel

1981
Tate Gallery, British Museum and Victoria and Albert Museum erwerben Grafiken

1995/96
Gründungsmitglied der sächsischen Akademie der Künste

1995/2002
Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden

Magdeburg l Die Kirche hoch über der Elbe wurde vielfach verletzt in ihrer jahrhundertelangen Geschichte. Mehrmals wurde sie Ruine, zuletzt im Zweiten Weltkrieg. Heute steht sie dank des Kuratoriums für den Wiederaufbau der Johanniskirche wieder mitten im Leben - als Eventkirche. Schlicht, modern, sachlich und gern aufgesucht von Gästen der Stadt, auch des Kirchturmaufstiegs wegen. Ab heute locken zum Besuch die ersten beiden der von Max Uhlig gestalteten spätgotischen Fenster. 13 sind es an der Zahl, 12 Meter hoch, sechs an der Südseite des Kirchenschiffes, sieben im Chor. Fertiggestellt werden sollen sie bis 2017.

Es ist ein Großprojekt für das Kuratorium, die Spendensammler, die Stadt, natürlich den Künstler. Es soll Uhligs künstlerisches Vermächtnis werden. Der 77-Jährige erarbeitete Ideen, entwarf und verwarf. Zuletzt arbeitete Uhlig unentwegt in den Glasstudios Derix im hessischen Taunusstein. Geschnittene Scheiben, Farbe auftragen, brennen. Für jede 60 mal 90 Zentimeter große Scheibe sind mehrere Brennvorgänge notwendig. Mittelalterliche Fertigungstechnik. Glasmalerei wie vor Jahrhunderten, passend zum gotischen Haus.

Museumschefin: Ein leuchtendes Farbenmeer

Die seit 1945 existente Blankverglasung wird nach und nach verschwinden. Die Fenstersüdseite des Kirchenschiffes soll als große farbige Landschaft erscheinen und durch Sonneneinstrahlung, sich ändernde Lichtverhältnisse den Kirchenraum immer wieder verändern und neu erlebbar machen.

Annegret Laabs, Leiterin des Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen, das, angeregt durch die Uhlig-Fenster noch bis 26. Oktober eine große, in Kunstkreisen sehr beachtete Retrospektive des Linienkünstlers zeigt, spricht von einem "leuch- tenden Farbenmeer", das viel Farbe in den Raum bringen werde.

Der Künstler, zu DDR-Zeiten Außenseiter, weil er seinen eigenen Weg suchte und ging, heute in Sammlungen in New York, Basel, London, Paris präsent, hat sich gegen eine biblische Geschichte entschieden. Auch gegen Porträts, die in seinem Werk eine große Rolle spielen. Seine Überlegungen gingen anfangs auch zu historischen Persönlichkeiten, Otto von Guericke, Martin Luther ... Letztlich entschied er sich doch für Landschaft, für Vegetation, für Natur, die er wahrnimmt und die seinen Arbeiten so eigen ist und sich sowohl in seinen farbigen Landschaftsentwürfen wie auch in dem von ihm entwickelten Zyklus aus sieben Grisaillen mit Weinreben für den Chorraum wiederfindet.

Inspirationen aus der Natur

Uhlig zieht es für seine Arbeiten immer wieder hinaus. "Nur direkt von der Natur kann und will er die Natur erfassen - ob an Dresdens Elbufern, in den mecklenburgischen Weiten, im Erzgebirge oder ab den neunziger Jahren in seinem Domizil in Südfrankreich", schrieb das Kunstmagazin Art über die Ausstellung in Magdeburg, die den Titel "Vor der Natur gewachsen" trägt. Für die Kirchenfenster ließ sich der Dresdner in der Börde inspirieren, in der Herbstlandschaft. Wärme entspringt seinen Bildern, auch Feuer. Die Stadt brannte, auch die Kirche. "Aber Feuer steht nicht nur für Zerstörung", sagt Annegret Laabs. Es stehe auch für Leben, für einen Neubeginnn. Jede Generation werde mit ihren Erlebnissen und Erfahrungen die Fenster anders deuten. Immer wieder neue Sichten.

Spendenaktionen für Realisierung

Die neuen Fenster der Johanniskirche werden den Kirchenraum verändern, ihn vervollständigen. Rund 1,4 Millionen Euro kostet das Gesamtwerk, Spendenaktionen laufen. Großzügige Unterstützung gab es bereits von Stiftungen und privaten Spendern. Einzelne Segmente der Fenster können erworben werden: Für 2000 Euro gibts ein Segment und ein Stück Antikglas, signiert vom Künstler.

Für Kunsthistorikerin, Museumschefin und Kuratoriumsmitglied Laabs ist die Arbeit in dieser Größe in einem spätgotischen Schiff etwas ganz Besonderes: "Das gibt es nicht noch einmal."

Max Uhlig als Glasmaler. St. Johannis wird wohl die Krönung seines Lebenswerkes.