Magdeburg l Die Luft knistert förmlich. Man möchte den Atem anhalten. Todesstille in fast wörtlichem Sinn herrscht im ausverkauften Magdeburger Opernhaus. Leonardo und der Bräutigam kämpfen miteinander im für beide todbringenden Duell. Dramaturgisch ungemein reizvoll und spannungsgeladen - in einer superlangsamen Zeitlupe. Damit endet die andalusische "Bluthochzeit".

Die Magdeburger darf eine von weltweit wenigen Kompanien dieses vom weltbekannten Tänzer und Choregrafen Antonio Gades geschaffene Ballett "Bluthochzeit" (Uraufführung 1974 in Rom) nach dem Drama des spanischen Dichters Federico Garcia Lorca aufführen. Gades hat den Flamenco als ausdrucksstarke, emotional bewegende und dramatische Geschichten erzählende Musik neu belebt.

Keine Liebe zwischen Braut und Bräutigam

"Bluthochzeit" handelt von zwei Paaren. Von Leonardo (Gonzalo Galguera) und seiner Frau (Anastasia Gavrilenko) sowie einer Braut (Antanina Maksimovich) und einem Bräutigam (Mohamed Sayed) kurz vor deren Hochzeit. Das Problem: Zwischen Leonardo und der Braut glüht noch eine frühere Liebe. Zwischen Bräutigam und Braut gibt es Liebe nicht.

Daraus ergeben sich bewegende Konflikte. Die Zuschauer erleben zur Flamenco-Musik vor allem von Emilio de Diego teils eruptive wie auch ungemein lyrische, lebensecht nachvollziehbare Gefühlsäußerungen.

Zu den rhythmusintensiven mehrheitlich Gitarrenklängen ist der gesamte Körper aktiv. Faszinierende variationsreiche Bein- und Armbewegungen bis zu den Fingerspitzen, ebenso plötzlich sich ändernde Blicksequenzen, die Mimik überhaupt sowie natürlich die sowohl verwirrend schnellen wie auch die langsamen Fußpassagen begeistern die Gäste. Den Tänzerinnen und Tänzern ist höchstes Lob zu zollen, wie meisterlich sie den für sie ungewohnten Tanzstil, mit "derberen" Flamenco-Schuhen statt sonst benutzter Spitzenschuhe präsentieren.

Der Magdeburger Ballettchef Gonzalo Galguera brilliert an diesem Premierenabend gleich zweimal. Mit immerhin 45 Jahren tanzt er mit höchster Ausdrucksstärke und bewundernswerter Kondition die Rolle des Fernando.

Galguera - Tänzer und Choreograf

Und - im zweiten Teil das uraufgeführte Ballett "Lorca" hat er choreografiert und inszeniert. Beides hat das Publikum mit höchster Anerkennung gewürdigt.

Gonzalo Galguera, ein Verehrer des spanischen Dichters Federico Garcia Lorca (1898-1936), schuf ihm mit seinem Ballett eine besondere Würdigung.

Einblicke in Lebensstationen und Wirken Lorcas, mit und durch zwei seiner Werke, werden konkret durch zwei unterschiedliche Frauenfiguren eröffnet. Galguera nimmt das Publikum mit auf eine Erinnerungsreise des Dichters. Im leeren Bühnenraum mit hängenden hohen Stuhlstapeln steht Lorca (Daniel Ojeda) ganz in Weiß, dabei eine Gruppe schwarzbraun gekleideter Militärs. Der Dichter ist gefangen und wartet auf sein weiteres Schicksal.

Vor seinen geistigen Augen werden Yerma, eine Frau aus der ländlichen Bevölkerung mit ihren Problemen um Ehe und Liebe (Antanina Maksimovich), sowie Mariana Pineda, eine standhafte Freiheitskämpferin (Lou Beyne), gewissermaßen lebendig.

Galguera lässt die Gäste mit einfallsreichen und emotional bewegenden Tanzszenen teilhaben an deren Sorgen, Nöten wie auch deren Lebensauffassungen - und letztendlich an den mit dem Tod endenden Geschichten.

Hat Lorca, der von der Franco-Diktatur ermordet wurde, sein Schicksal vorerahnt?

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