Halle l "Die Crème de la crème der Schmuckgestalter hat an unserem Wettbewerb, teilgenommen", jubelt Manon Bursian, Direktorin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt. Bursian ist "überwältigt" vom Interesse am Wettbewerb "Ein Schmuckstück für Cranach", der am vergangenen Wochenende mit der Wahl der Preisträger endete. "Wir konnten aus 150 Einsendungen von Schmuckgestaltern und Künstlern auswählen", sagt Bursian. 80 Prozent der eingesandten Schmuckstücke seien extra für den Wettbewerb entstanden. Heute werden die Preisträger offiziell bekannt gegeben. Die Volksstimme hat bereits mit ihnen gesprochen und stellt ihre Werke vor.

Den ersten mit 3000 Euro dotierten Preis gewinnt Bettina Dittlmann aus Breitenbach in Bayern. Die Schmuckgestalterin fertigte eine Brosche aus Eisen, Granat und Email. "Der Wettbewerb schien speziell für mich ausgeschrieben, und doch habe ich bis zum letzten Tag überlegt, ob ich überhaupt etwas einsenden soll", sagt Dittlmann. Denn die Schmuckkünstlerin beschäftigt sich seit 25 Jahren mit Renaissanceschmuck, aber nicht speziell mit den Cranachs und ihren gemalten Schmuckstücken. Ihre Brosche aus Eisen, Granat und Email sei nicht extra zum Wettbewerb entstanden, vereine jedoch ihre jahrzehntelange Beschäftigung mit dem Schmuck der Cranach-Zeit, erklärt Dittlmann.

Die Jury begründete ihre Entscheidung, der Arbeit der 1964 in Passau geborenen Künstlerin den ersten Preis zuzusprechen, so: "Bettina Dittlmann übersetzt die materielle und visuelle Kostbarkeit von Renaissanceschmuck eindrucksvoll in eine zeitgemäße künstlerische Formensprache."

Absolut zeitgemäß ist auch der Schmuck, der den zweiten Preis gewinnt: Die Schmuckgestalterin Beate Eismann aus Halle hat für ihren Halsschmuck "Absence = Presence" die Silhouetten von vier Frauen aus Cranach-Bildern als Vorlagen verwendet, mit Hilfe eines 3-D-Computerprogramms bearbeitet und dann als sogenannte Rotationskörper in Kunststoff nachgeformt. Anschließend wurden sie mit Silber überzogen, patiniert und mit einer Goldkette kombiniert.

Unter den zahlreichen Figuren, die Lucas Cranach der Jüngere gemalt hat, entschied sich Eismann für drei Frauen, zwei sind nicht namentlich bekannte Damen, die dritte ist Agnes von Hayn, deren Gemälde in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen ist. "Meine Arbeit ist auch als Hommage an die Frauen dieser Zeit gedacht. Sie durften zwar noch keine politischen Ämter bekleiden, doch Hofdamen und Fürstinnen nutzten ihre persönlichen sozialen Netzwerke, um an politischen Entscheidungsprozessen teilzuhaben", sagt Eismann.

Die vierte Figur an der Kette hat "Judith mit dem Haupt des Holofernes" nach einem Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren zur Vorlage. Eismann will so eine Verbindung zwischen Vater und Sohn sowie zwischen den verschiedenen Zeiten und Stilen herstellen.

Der dritte Preis wird der in Berlin lebenden Schmuckgestalterin Svenja John zugesprochen, weil sich in ihrem Collier aus Kunststoff "Prächtigkeit und Repräsentation" und damit "Grundthemen des Renaissanceschmucks" spiegeln, wie es in der Jurybegründung heißt.

Eine Auswahl der "Schmuckstücke für Cranach" soll im nächsten Jahr in der Lutherstiftung in Wittenberg in einer eigenen Ausstellung und in einem Katalog präsentiert werden. Über eine Schmuck-Edition auf der Grundlage der Sieger-Entwürfe denkt die Kunststiftung nach. Die Preisträgerinnen würde es freuen. Außerdem gibt es schon jetzt das Angebot, die Schmuckstücke im Goethe-Institut in Washington zu präsentieren.

   

Bilder