Magdeburg l Der weltberühmte Wiener Knabenchor sang am Sonntagnachmittag in Magdeburg. Eigentlich trat einer vier Chören auf, nämlich der "Mozartchor", den Kapellmeisterin Bomi Kim seit zwei Jahren leitet. Die 25 junge Sänger verzauberten das Magdeburger Publikum.

Die ausverkaufte Vorstellung begann mit vier Liedern aus einem Zyklus, den Henry Purcell Queen Mary II. zum Geburtstag komponierte. Durchsichtig und differenziert gestalteten die jungen Sänger diese vier Lieder und schenkten sie so dem Magdeburger Zuhörer.

Im ersten Teil überwogen die geistlichen Motetten u.a. von Michael Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Georg Friedrich Händel. Die jungen Sängerknaben verzückten den Zuhörer mit glockenhellen Sopransoli, kraftvollem Ausdruck, feinstem pianissimo und bestachen mit ihrem exquisiten homogenen Klang. Bomi Kim begleitete die Sänger am Klavier einfühlsam und temperamentvoll.

Nach der Pause bestimmte die vorweihnachtliche Chormusik das Programm, von den Sängern fein und edel dargeboten wie ein Diamant. Jesus wird geboren - das ist etwas Wunderbares! Das Publikumsherz schlug höher bei "Transeamus" (sehr originell: die einfallsreiche Untermalung mit einer vorzüglichen Violine), "Kommet ihr Hirten", "Es wird scho glei dumpa" und einem Hirtenterzett. Auch international kennen sich die Wiener Jungs bestens aus: fröhlich und ausgelassen interpretierten sie die englischen und wieder festlicher das französische Weihnachtslied "Il est néle divin enfant".

Drei Zugaben brachte der anhaltend herzliche Applaus den Zuhörern, darunter eine faszinierende und ergreifende Interpretation von Franz Grubers "Stille Nacht".

Der Chor pflegt eine lange Tradition. 1498 von Kaiser Maximilian I. mit etwa 20 Sängern gegründet, besteht der Chor heute aus rund 100 jungen Sängern zwischen 10 und 14 Jahren. Namhafte Persönlichkeiten gestalteten die 500-jährige Geschichte mit, unter ihnen Joseph und Michael Haydn, Franz Schubert, der Schauspieler Peter Weck, Peter Alexander und auch der ehemalige Dirigent der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, GMD Christian Simonis.