Braunschweig (dpa) l Echte Kunst ist oft teuer, irrwitzige Summen wurden zuletzt gezahlt. Für das Gemälde "Der Schrei" von Edvard Munch legte ein Bieter im vergangenen Jahr knapp 120 Millionen Dollar (etwa 96 Millionen Euro) hin, der umstrittene Verkauf von Andy Warhols "Triple Elvis (Ferus Type)" aus dem Spielcasino Aachen brachte jüngst rund 82 Millionen Dollar.

Doch auch mit schmalem Budget kann man in einigen deutschen Städten echte Kunst erstehen, ganz bequem am Automaten. Im "Art-o-maten" in Paderborn (Nordrhein-Westfalen) gab es kürzlich für fünf Euro Schachteln, die von Komiker Otto Waalkes gestaltet und signiert sind.

In Braunschweig ist man ab vier Euro dabei. Vier umgebaute Zigarettenautomaten stehen seit diesem Jahr in Niedersachsens zweitgrößter Stadt. Der Weg zum eigenen Original ist einfach: Münzen einwerfen, Klappe aufziehen, Schachtel rausholen und Kunstwerk auspacken. "Ich möchte damit möglichst viele Menschen an Kunst heranführen", sagt Initiatorin Roberta Bergmann. Im Gegensatz zu einer Galerie sei am Automaten die Hemmschwelle kleiner. Das liegt nicht zuletzt am Preis.

Der Käufer kann an den bunt lackierten Automaten zwischen verschiedenen Künstlern und Kunstformen wählen. Es gibt Genähtes, Gemaltes, Gedrucktes, Geformtes, Fotografiertes, Geklebtes - Hauptsache die Kunstwerke passen in Boxen von der Größe einer Zigarettenschachtel.

Der Automat sei "ein Werkzeug, um Künstlern zu ermöglichen, ihre Kunst im öffentlichen Raum zu verkaufen".

Manche der Künstler packen beispielsweise Drucke in kleiner Auflage in die Boxen. "Bei mir sind es schon Unikate", sagt Jonas Karnagel. Der 43-Jährige ist einer von rund 40 Künstlern, die bislang bei dem Projekt mitmachen. Über die Automaten vertreibt er beispielsweise Selbstbildnisse, die per Kartoffeldruck hergestellt sind.

Kunst am Automaten kann man nicht nur in Braunschweig kaufen. Immer wieder kommt die Idee in deutschen Städten auf, unter anderem in Rostock oder Solingen. Auch im Jüdischen Museum Berlin gibt es ein ähnliches Projekt, vor einigen Jahren machte ein "Unikat-Automat" am Münchener Hauptbahnhof Schlagzeilen.

Manchmal gibt es sogar Kunst von echten Stars, wie die Otto-Waalkes-Schachteln in Paderborn. Die 45 Exemplare waren innerhalb eines Wochenendes weg.

Gehen alle Künstler so gut am "Art-o-maten"? "Das war jetzt extrem, weil es wirklich Ottos waren", sagt Burkhard Lohren, der Betreiber.

In Braunschweig kostet ein Karnagel fünf Euro. Der Preis stehe aber in keinem Verhältnis zum Aufwand, sagt der Künstler. "Da muss man schon ein Stück Idealist sein." Für fünf Drucke habe er drei Stunden gearbeitet. "Rentabel ist sowas nicht", sagt Karnagel. Aber vielleicht könne man durch die Verkäufe bekannter werden oder sogar einen Auftrag an Land ziehen.

Die Käufer suchen oft ein kreatives Mitbringsel, gerade vor Weihnachten, sagt Bergmann. Dabei sei der Reiz groß, endlich mal ein echtes Kunstwerk - ein Original - zu erstehen. "Dann fühlt man sich gleich als Mäzen."

Zwei der Automaten in Braunschweig stehen in Unigebäuden, die anderen beiden sind frei zugänglich. Etwa zwölf Schachteln pro Woche ziehen sich Passanten aus dem Automaten an der Humboldtstraße. Mit seinen Verwandten aus der Zigarettenindustrie kann der Kunstautomat also noch nicht mithalten. Für Künstler Karnagel hat das einen einfachen Grund: "Ist halt nicht so stark suchtfördernd."

 

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