Drei Menschen, drei Geschichten, ein Abend
Florian Zieglers erster Spielflm "Merry Xmess" wurde bei den 4. Filmkunsttagen Sachsen-Anhalts im Oktober vom Publikum zum Sieger in der Kategorie Kurzfilm gewählt.
Die Story: Merry Xmess erzählt die Geschichte eines Weihnachtsfestes frei von Illusionen. Während um sie herum die Welt in Weihnachtsstimmung schwelgt, haben der Stricher Stevie, die Notärztin Christine und der Angestellte Martin ihre ganz eigenen Vorstellungen vom Fest der Liebe. Auf dem Strich wird weiter angeschafft, Notfälle gibt es 365 Tage im Jahr und ein Mobbingopfer ist auch am Heiligen Abend ein Mobbingopfer. Der Film gewann auch den Hauptpreis in der Kategorie "Fortgeschrittene" beim 20. Jugendvideopreis Sachsen-Anhalt.

Öffentliche Premiere war am 6. Dezember im Studiokino Magdeburg. Der Regisseur plant das nächste Projekt, möchte zuvor aber sein Studium beenden.

Magdeburg l Der Traum vom eigenen Film begann für den heute 25-jährigen Florian Ziegler während der Ferien 2004. Als Fünfzehnjähriger jobbte er am Filmset einer MDR-Produktion. "Ich war sofort von der Atmosphäre begeistert. So ein Filmset ist ein ganz eigenes Ökosystem und die Leute waren irre witzig. Für mich war alles neu und spannend", beschreibt er seinen ersten Eindruck vom Filmemachen. Doch bis er seinen ersten Film dreht, wird noch einige Zeit vergehen.

Nach dem kurzen Intermezzo am MDR-Set sammelt er erste Erfahrungen als Regieassistent bei einem Musical. "Die Brille" hieß das Stück und war ein Projekt des soziokulturellen Zentrums Kunstplatte in Stendal.

Begonnen hat alles beim Offenen Kanal in Stendal

"Anfangs war ich kein besonders guter Assistent. Ich hatte ja noch keine Erfahrungen. Aber mit der Zeit habe ich mich eingefuchst. Habe kapiert wie es läuft", erzählt er. Von da an war aber klar, für Ziegler kann es nur einen Beruf geben, den des Regisseurs.

Immer wieder probiert er sich an kleineren Filmprojekten aus. Für den Offenen Kanal Stendal produziert er Tag und Nacht Beiträge. Meistens sind das kleine Reportagestücke.

Die Nächte verbringt er vor dem Schnittcomputer, saugt alles in sich auf, was mit Film zu tun hat. "Ich habe wirklich nächtelang dagesessen und mir Filme angeschaut. Habe überlegt, warum machen die das jetzt so oder so. Am nächsten Tag habe ich es dann einfach ausprobiert", erinnert er sich an die schlaflose Zeit.

Das Abitur, das für ein späteres Studium an der Filmhochschule Babelsberg notwendig ist, ist da eher lästiges Übel. "Meine Eltern haben mich aber immer unterstützt. Sie vertrauten mir, dass ich schon das Richtige tun werde."

Überhaupt unterstützen ihn viele bei seinem Vorhaben. Erst die Eltern, dann Andreas Bredow vom Offenen Kanal Stendal, der für ihn bis heute Mentor und kritischer Freund ist. Später, während seines Studiums in Magdeburg, half der Kameramann, Dokumentarfilmer und Grimme-Preisträger Uwe Mann.

"In Magdeburg habe ich angefangen zu studieren, weil ich das Gefühl hatte, mich hier weiterentwickeln zu können. Vor allem meine technischen Fähigkeiten und meinen Erzählstil zu entwickeln." Aber während seines Medienmanagement- und Journalistikstudiums wird ihm auch klar: Dokumentarfilmer wird er nicht werden.

Sein Herz gehört dem Spielfilm. Er liebt die Fiktion, die erzählerischen Freiheiten des Genres aber auch die Herausforderung, die Drehbücher so umzusetzen, dass am Ende ein spannender, in sich stimmiger Film entsteht.

So auch in seinem jüngstem Film "Merry Xmess". Gemeinsam mit dem Drehbuchautor Robert Gryczke gelang ihm ein Kurzfilm der mit starker Bildsprache und seiner verstörenden Story den Abend der Familie und der Einkehr von seiner dunklen, hässlichen Seite zeigt. Ein beeindruckender Kurzfilm. Das sahen auch die Zuschauer der "4. Filmkunsttage Sachsen-Anhalt" so, die den "ersten" richtigen Film von Ziegler zum Sieger in der Kategorie Kurzfilm wählten. Das ist mehr als ein Achtungserfolg, denn die Filmkunsttage sind Sachsen-Anhalts wichtigstes Filmfestival. Zudem nahm Ziegler beim Jugendvideopreis des Landes den Hauptpreis für Fortgeschrittene mit nach Hause.

"Natürlich bin ich schon am nächsten Projekt dran. Aber jetzt mach ich hier erstmal mein Studium fertig, dann geht es hoffentlich an der Film-Uni in Babelsberg weiter." erzählt er und dann ist er auch schon wieder weg - den nächsten Drehplatz inspizieren.