Magdeburg l Es beginnt mit sechs Rappen. Ihre Reiter tragen funkelnde Kostüme und riesige Perücken. Sie zeigen eine Quadrille, die durch synchrone Bewegungen, die konstante Anlehnung der Pferde und die unsichtbaren Einwirkungen der Reiter besticht. "Ooooh", ruft ein kleines Mädchen im Publikum entzückt. Mit dem Begriff Quadrille kann sie vermutlich noch nichts anfangen, aber sie hat Freude an den imposanten Pferden mit den Wahnsinnsmähnen und den glitzernden Trensen, die so gut zum glänzenden Schwarz der Vierbeiner passen.

Eines der Geheimnisse der Pferdeshow Apassionata ist wohl, dass sie Profis wie Laien gleichermaßen mitnimmt. Drei Vorstellungen präsentierte die Crew am Wochenende in der Magdeburger Getec-Arena. Piaffe, Passage, Pirouette, Einerwechsel... In den Quadrillen fehlt keine Lektion, die man auch in den großen Dressurvierecken sehen kann.

Für die Show waren Talentsucher in ganz Europa unterwegs.

Für die Castings und das Abstecken von Trainingszielen ist neben Kreativdirektor Holger Ehlers auch Horse Director Meike Arnason zuständig. Sie entwickelt die Pferdechoreografien und kümmert sich seit acht Jahren um alles, was die Apassionata-Pferde betrifft. Die Reiter sind ein international zusammengecastetes Team, kommen aus Spanien, Portugal, Deutschland, den Niederlanden... Für die schweren Lektionen braucht es Spitzenreiter. Um die zu finden, werden Scouts durch ganz Europa geschickt.

Bewährter Bestandteil der Apassionata-Shows sind die Freiheitsdressuren. Sie faszinieren, weil hier der Mensch neben und nicht auf dem Pferd agiert, weil hier besonders klar wird, wie groß der Vier- wie klein der Zweibeiner ist. Besonders deutlich zeigt sich das, als Bartolo Messina, Pferdetrainer aus Italien, dafür sorgt, dass das Pferd sich aufrichtet. Auf zwei Beinen geht es zu sanften Klängen durch die Halle.

Apassionata lebt auch von der Abwechslung. Und so folgen wilde Klänge. Sechs Pferde stürmen die Getec-Arena im Galopp, ihre Reiter hängen neben oder gar unter ihnen. Die Akrobaten galoppieren freihändig, machen Überschläge von der einen auf die andere Seite, sitzen eben noch auf dem Pferdehals und werfen im nächsten Moment den Sand der Getec-Arena durch die Luft.

In der Show wird nicht nur auf hohem Niveau geritten, sondern auch getanzt. Choreograf Phillipe Blair hat in Musicals wie "Cats", "Starlight Express" und "Westside Story" mitgewirkt. Die Tanztalente werden vor jeder Tour ausgewählt. Dafür gibt es anspruchsvolle Castings in mehreren Städten. "Wichtig sind Ausdruck und Freude am Tanzen", sagt Blair.

Doch nicht alles geht glatt. Beim Pas de deux, einer Dressur, die zu zweit geritten wird, muss ein Pferd äppeln und verpasst den Einsatz zur Passage, während das Partnerpferd fleißig weiterpassagiert. Die meisten Zuschauer haben nichts gemerkt. Wem es aufgefallen ist, der hat nicht lange Zeit darüber nachzudenken: Ein Kaltblut zeigt, dass es genauso anmutig sein kann wie seine zierlichen Kollegen, ein Esel überzeugt die Zuschauer, dass ihm seine Sturheit zu Unrecht nachgesagt wird und auf das gerade 80 Zentimeter große Minipferd folgt das 1,80 Meter große Shire Horse.

Die Geschichte der "goldenen Spur" ist schnell erzählt. Ein junger Mann wird beim Museumsbesuch in den Bann eines Bildes von einer blonden Schönheit gezogen. Die Bilder im Museum werden real, der junge Mann in eine Traumwelt entführt. Wie immer ist die Geschichte Nebensache und dazu da, die vierbeinigen Stars in Szene zu setzen. "Enger Kontakt zwischen Reiter und Pferd, geräumige Transporter und abwechslungsreiches Training", nennt Apassionata-Sprecherin Inka Thaysen die Erfolgsfaktoren.

Ein Reiter kontrolliert zwölf Pferdebeine - das ist die ungarische Post.

Außerdem würden die Reisezeiten möglichst kurz gehalten. Die Pferde werden nicht von einer Showstadt zur nächsten gebracht, sondern kommen in einem zentral gelegenen Zwischenstall unter. Der liegt in der Mitte Deutschlands bei Kassel. Den Pferdealltag unter der Woche beschreibt Inka Thaysen so: "Grasen, Ausritte und auf die Pferdebedürfnisse abgestimmtes Training." Unverzichtbar während der Show sind das Stallzelt sowie Tierarzt Uwe Heidbrink.

Höhepunkt der Aufführung ist die ungarische Post. Dabei steht Laury Tisseuer mit je einem Bein auf einem Pferd, mit seinen Zügeln kontrolliert er vier weitere Pferde. Ein Reiter, zwölf Pferdebeine, in der Mitte der Halle ein Sprung. Jeder, der einmal versucht hat, mit einem Pferd über ein Hindernis zu springen, weiß, was es bedeutet, den passenden Absprungpunkt für zwölf Pferde zu finden. Jeder, der es noch nicht versucht hat, kann es sich vorstellen. Applaus dringt durch die Halle. Die Vierbeiner sind das gewohnt.

Zum Abschluss dürfen die Pferde gestreichelt werden. Kleine Mädchen sind nun genauso zufrieden wie erfahrene Horsemen und sicher auch im nächsten Jahr wieder in der Getec-Arena zu finden. Im Dezember präsentiert das Apassionata-Team in Magdeburg "Im Bann des Spiegels".