Magdeburg l Nach den Büchern "Alice im Wunderland" und "Alice hinter den Spiegeln" von Charles Lutwidge Dodgson, alias Lewis Carroll, schuf der US-amerikanische Sänger Tom Waits die Musik und gemeinsam mit Kathleen Brennan Gesangstexte für das musikalische Bühnenwerk "Alice". Uraufgeführt wurde es 1992 in der Regie von Robert Wilson am Thalia Theater Hamburg. Am Sonnabendabend hatte das Musical nun im ausverkauften Magdeburger Schauspielhaus seine Premiere.

Die Zuschauer in Magdeburg erleben in dem von Caroline Stolz inszenierten Stück gemeinsam mit der von Dodgson in eine Traum- und Fantasiewelt versetzten, wieder klein gewordenen Alice (Lena Sophie Vix mit begeisternd gelebter Gefühlsvielfalt) die aus den Büchern bekannten Begegnungen, allerdings nicht in chronologischer Folge.

Grüne Hecken in ständiger Bewegung

Mit grünen Hecken kaschierte Wandelemente sind - geschoben und gedreht - in fast ständiger Bewegung (Bühne und Kostüm Lorena Stephens und Jan Hendrik Neidert). Durch, neben, vor und hinter, auch auf ihnen kommen Menschen, Tiere und Gegenstände ins fantastisch surreale, teils auch angstmachende Spiel, wie etwa bei der Tötungsforderung der Herzogin nach einem "Kopf ab".

Da sind übergroße sprechende Blumen, da erscheint später ebenfalls eine Raupe. Auch sie fragt Alice nach deren Identität. Die Frage und das Suchen nach dem "Wer bin ich?" versetzen Alice in Unruhe.

Caroline Stolz hat oft reizvoll überraschende Bilder "gezeichnet" und sie technisch und dramaturgisch einfallsreich umgesetzt.

Der Zuschauer war jedoch gefordert, auf die Details zu achten. Einfach wohl, als das normal große hochgeworfene Spiegelei als großer Flatschen herabstürzte. Kurz nur aber war der Wechsel kleine Flasche, große Flasche zu bemerken, der den Wandlungsprozess von der fast erwachsenen zur wieder jungen Alice symbolisierte.

Eindrucksvoll ließen es die Figuren regnen, blitzen und donnern. Reizend das Treffen Alices mit dem auf einem großen Wollknäuel eingeschwebten, seine eigene Wolle verstrickenden Schaf. Ebenso humorvoll faszinierend war der Kampf der beiden Ritter, die mit der magnetisierten Rüstung ganz schön zu tun hatten.

Stück dringt immer wieder in die Gefühlswelt ein

Das Stück dringt immer wieder ein in Alices Gedanken und Gefühle, ins Psychologische. Wohl auch, weil oft und urplötzlich das weiße Kaninchen auftaucht. Hinter ihm steckt Dodgson, Autor der Alice-Geschichten, auch der Fotograf, der der jungen Alice Liddell schier verfallen war. Hier ist er (Ralph Martin ausdrucksstark mit Stimme und Spiel) außerdem als Erzähler und weißer Ritter in Szene. In dem so geschaffenen Spannungsfeld werden die besonderen Beziehungen und Befindlichkeiten zwischen dem Autor und seiner einstigen jungen Muse aufgetan.

Eine kleine Live-Band, teils von ebenfalls musizierenden Schauspielern sekundiert, begleiteten die in englischer Originalsprache präsentierten Songs mit ihrer unterhaltsamen Bandbreite von Melancholie und Poesie bis zum Jazzigen, auch mit Dissonanzen versehen, die Sehnsüchte und teils auch unreale Wünsche und Vorstellungen initiierten.

Das Publikum dankte mit viel Beifall für diese einfühlsame, unterhaltsame, kurzweilige, sicher auch zum Nachdenken über die eigene Identität anregende Aufführung.

Die nächste Vorstellung ist am Sonnabend, dem 7. Februar, 19.30 Uhr.

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