Dessau-Roßlau l Es ist vollbracht! Der "Wagner-Ring" ist mit dem jetzt auf die Bühne gebrachten "Das Rheingold" komplett. Mit "Götterdämmerung" beginnend - Premiere war am 12. Mai 2012 - hat der nach der Spielzeit Dessau verlassende Generalintendant André Bücker, von der Reihenfolge der von Wagner geschaffenen Teile inspiriert, die einzelnen Opern chronologisch gegenläufig inszeniert.

Alle vier Teile tragen durchgängig eine ganz eigene, einheitliche Handschrift, die durch die Klassische Moderne und insbesondere von der Bauhaus-Ästhetik geprägt ist. Diese herausragende künstlerische Kontiunität basiert sicher auch auf dem durchgängig konstant besetzten Leitungsteam, mit dem Bücker seine Werkeinterpretation gemeinsam stringent umsetzen konnte: Jan Steigert für die Bühne, Suse Tobisch für die Kostüme, Frank Vetter und Michael Ott für die Projektionen.

Unerschütterliches Fundament ist aber auch in "Das Rheingold" die Anhaltische Philharmonie unter GMD Antony Hermus. Dem Orchester gelingt es bravourös, die monumentale Wagnersche Musik facettenreich und im Spannungsfeld von feinstem Tonklang - wie bei den legendären 136 Takten des Vorspiels - bis zu dramatisch laut tönenden, insbesondere vom Blech getragenen Ausbrüchen zu präsentieren.

Kämpfe um Macht, Reichtum und Liebe

Mit dem sich in die anderen drei Ringopern künstlerisch stimmig einfügenden "Rheingold" setzt das Anhaltische Theater die Tradition Dessaus als "Bayreuth des Nordens" auf nachhaltige Weise fort.

Die Farbe Weiß ist dominant in der Inszenierung. Bei den Kostümen sowie den als Projektionsflächen dienenden gebogenen und gegeneinander verschiebbaren Wandelementen. Weiß sind auch die die Figurenhandlungen nachvollziehenden überlebensgroßen Silhouetten. Von unsichtbarer Hand wird die Bühne mehr und mehr in Blau getaucht - und hinab in die Tiefen des Rheins. Dort, wo die Rheintöchter das als glitzernden Würfel geformte geheimnisträchtige Rheingold zu bewachen haben.

Die Kämpfe um Macht, Reichtum und Liebe nehmen ihren spannenden Lauf ... Werktreu und handlungsschlüssig bringt Bücker die Geschichte auf die Bühne.

Da raubt Zwerg Alberich, auf Liebe verzichtend, das Rheingold, schmiedet später den machtverleihenden berühmten, doch dem Besitzer Unheil bringenden Ring. Mit einer Videofahrt durch Gerüstwirrungen optisch vermittelt, tauchen Göttervater Wotan und Halbgott Loge in die Unterwelt, bringen sich in Besitz des Goldes und des Ringes.

Erschütternde Aktualität gesellschaftlichen Elends

Die von Wotan im Auftrag gegebene Götterburg Walhalla ist gebaut. Bei der Entlohnung der Riesenbrüder Fasolt und Fafner kommt es zum Eklat, in den auch die Göttin der Jugend, Freia, hineingezogen wird. Erpressung, Gewalt, auch Verzauberung und schließlich auch Mord begleiten das fesselnde Geschehen.

Mit parallel eingespielten, fast nur flüchtigen Videosequenzen erinnert Bücker an die oft erschütternde Aktualität gesellschaftlichen Elends, unaufdringlich, aber emotional wirksam.

In dem ausgeglichen sehr gut agierenden Darsteller-Ensemble treten Stefan Adam (Alberich), Ulf Paulsen (Wotan) und Albrecht Kludszuweit spielerisch und insbesondere stimmlich besonders hervor.

Beim Einzug in Walhalla, dem "scheibchenweise" in sich verschiebbaren, großen, mit Kreiskonstruktionen verknüpften Kubus, der in allen vier Teilen zentrales Bühnenelement ist, soll ein strahlendes Regenbogenmotiv Götteroptimismus vermitteln. Obwohl die aus dem Erdinnern aufgetauchte Urmutter Erda bereits das Ende der Götter prophezeit hatte.

Die nächsten "Rheingold"-Aufführungen sind am 21. Februar, 17 Uhr, und 5. April, 19 Uhr, sowie am 23. Juni, 19.30 Uhr. Die "Ring"-Vorstellungen vom 13. bis 17. Mai sind ausverkauft. Restkarten gibt es noch für die Vorstellungen vom 23. bis 28. Juni.