Magdeburg l Die Fans haben so lange auf diese Künstler warten müssen wie noch nie zuvor. Hatte Adoro seit dem sensationellen Debüt 2008 jedes Jahr ein Album und eine Tournee geboten, so setzte nach 2012 erstmals eine Pause ein. Eine wohlverdiente, selbstredend, nach diesem Marathon. Vielleicht brauchten sie auch Zeit zur Selbstfindung. So jedenfalls wirkt, was sie nun als Ergebnis vorlegen: "Nah bei dir" ist als Album veröffentlicht und jetzt mit einem durchgestylten Bühnenprogramm live zu erleben. Und man mag es kaum glauben: Die Sänger präsentieren sich noch stimmgewaltiger als zuvor, obwohl mit einem Sänger weniger. Es ist die erste Tournee ohne Tenor Laszlo Maleczky, der 2013 seinen Ausstieg verkündet hatte, um in seine Heimat Österreich zurückzukehren.

Erste Tournee nach längerer Pause

Die Freude darüber, endlich wieder live aufzutreten, brachten sie lächelnd zum Ausdruck und mit einer Gesangs- und Spielfreude, die den berühmten "Funken" gleich zum Publikum überspringen ließ. Das war größtenteils mittleren Alters aufwärts, bestand aber auch aus generationsgemischten Paaren, Mütter und Töchter vermutlich.

Gesänge wie "So schön ist die Welt" (Louis Armstrong: What A Wonderful World) waren Auftakt mit Symbolwirkung für einen Abend im Zeichen von Optimismus, Lebensfreude, Harmonie und Liebe. Zu hören waren Titel des neuen Albums, für das die Künstler diesmal nicht nur bekannte Popsongs aufgenommen haben. Sie führen ebenso zurück in die Zeit des Swings der 50er und 60er Jahre.

Manche Lieder kommen dem Hörer bekannt vor, ohne dass er das Original benennen könnte. Weil Adoro jeden Titel zu seinem eigenen macht, in ganz spezieller Form, individueller Interpretation - zu etwas ganz Neuem. Ältere darunter, wie von Charles Trenet "La Mer" oder Chaplins "Smile" und ebenso neuere wie "Applaus Applaus" der Sportfreunde Stiller. Sie trauen sich aber auch an Peter Fox´ "Haus am See", und es bekommt schon eine ganz eigene Note, wenn im melodiös-wiegenden Satzgesang der Text "Gott hat einen harten linken Haken" erklingt. Widersprüchliche Niedlichkeit. Aber auch das funktioniert.

Ein Paar aus dem Publikum auf der Bühne

Gern beziehen die Sänger das Publikum mit ein, sprechen es nicht nur an, sondern gehen singend durch die Reihen, letztlich wird ein Paar auf die Bühne geholt, das am Konzerttag seinen zehnten Hochzeitstag feierte. Dafür gab es einen besonderen Platz auf der Bühne, mit festlich gedecktem Tisch, Sekt, Rose und Ständchen.

Äußerst bewegend die Hommage an den "Mann am Klavier", den verstorbenen Udo Jürgens, der in diesem Jahr selbst auf Tournee sein wollte. Die Adoro-Version seines "Ich glaube" rührt zu Tränen.

Ein Abend der Emotionen. Mit den schönsten Stimmen Deutschlands. Doch Adoro ist weit mehr geworden, bietet Entertainment höchster Form. Begleitet von einer sensationellen Musikerformation, bestehend aus Band und Orchester, so genreübergreifend wie das Gesangsprojekt selbst.

Schade, dass die Stadthalle nicht ausverkauft war. Auch wenn das der Stimmung keinen Abbruch tat. "Mit Leib und Seele" und ihrer Version des gleichnamigen Titels von Heinz-Rudolf Kunze rockt das Quartett schließlich den Saal, es wird geklatscht und mitgesungen und endet im stürmischen Applaus.

Das wird nur noch getoppt vom gemeinsamen Gesang des Karat-Hits "Über sieben Brücken". Bei Andreas Bouranis "Hoch auf uns, auf dieses Leben - auf den Moment, der immer bleibt" gelingt schließlich ein nahtloser Übergang in den Party-Modus, bei dem es das Publikum längst nicht mehr auf den Sitzen hält.

Adoro rockt. Klassik rockt. Mit Musik jenseits der Grenzen üblicher Genres und im wahrsten Sinne.