Magdeburg l Kurt Weills Weg war auch ihrer: Berlin - Paris - New York. Und kann eine für Lied, Chanson, Song stehen, dann sie: Ute Lemper, zu Hause auf den Bühnen und in den Themen dieser Welt, gastierte am Sonnabendabend im ausverkauften Opernhaus Magdeburg. Im Rahmen des Kurt-Weill-Festes, das das Thema hat "Vom Lied zum Song".

Lieder, Songs, Chansons, sicher hätte die Lemper ihr Publikum schon mit dem reinen Vortrag der berühmten Stücke begeistert, für die sie steht. Aber sie überrascht. Ihr "Letzter Tango in Berlin", so der Titel ihres Programms, ist viel mehr. Zunächst ist es eine Reise durch gleich mehrere Welten, durch die des Tangos, durch die Biografie von Kurt Weill, durch ihre eigene. Ute Lemper tritt sie "mit einer "Vollgrippe" an. Zu spüren ist davon in den gut zwei Stunden jedoch nichts.

Die schwarz ausgekleidete Bühne betritt die Künstlerin im schulterfreien schwarzen Kleid. Ihr zur Seite agieren meisterlich und im fabelhaften Zusammenwirken die Musiker Vana Gierig am Klavier und Victor Villena am Bandoneon, die dem Abend ein ganz besonderes Klangbild geben.

Friedrich Holländers "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt", Georges Moustakis "Milord" - schon bei den ersten beiden Stücken wird es deutlich: Ute Lemper ist nicht nur eine großartige Sängerin, sie ist Gestalterin ihrer Lieder.

Sie "erzählt" die Geschichten mit einem großen Stimmvolumen und überwältigender Stimmvariabilität, mit brillanter Ausstrahlung, Gestik und Mimik. Immer wieder auch im direkten Dialog mit den Musikern. Und moderierend "im Gespräch" mit dem Publikum.

Da erzählt Ute Lemper vom Weg des Bandoneons aus Klingenthal in die Tango-Metropole Buenos Aires und von Brechts Tango-Leidenschaft. Dessen Tango-Ballade aus Weills "Dreigroschenoper" geht dann direkt über in Astor Piazollas "Yo soy Maria".

Weill emigrierte 1933 nach Paris. Ganz pur kommen jiddische Lieder und Léo Ferrés "Avec le Temps" daher. Ute Lemper tanzt, sie spielt, sie kann, wie bei der "Feschen Lola" nur mit dem Mund auch "Instrumentalistin" sein ... Und kann, was das diesjährige Festival auch möchte, der Beziehung von Text und Musik nachspüren. Sie tut es mit Pablo Nerudas vertontem Liebesgedicht "Die Nacht auf der Insel".

Ilse Webers "Ich wandere durch Theresienstadt", mit dem Ute Lemper auf den 70. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz verweist, ist der wohl bewegendste Moment dieses Abends.

Edith Piafs "Ich bereue nichts", singt Ute Lemper als Zugabe. Das Kommen bereut hat wohl kaum jemand im mit stehenden Ovationen jubelnden Magdeburger Publikum.