Magdeburg l Richard Wagners beliebte Ouvertüre zu seiner frühen Oper "Rienzi, der letzte der Tribunen" wurde ein energiegeladener Konzertauftakt. Die Oper an sich als Hitlers Lieblingsoper stigmatisiert, zeigt aber bereits in der lyrischen Ouvertüre das große historische Personendrama auf. Dabei stellte Wagner musikalisch den Sieg der Idee über den Untergang des Helden.

Ein großartiges Debüt gab in Magdeburg Gastdirigent Daniel Huppert. Der amtierende Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin hatte ganz klare Tempi- und Charaktervorstellungen und gab diese sehr genau an. Eine wunderbar geschlossen wirkende Philharmonie gestaltete von nuancierten Trompetenfanfarenrufen, dem Heldenthema der Streicher mit betontem Vibrato und erzählender Dynamik, bis hin zu toll aufblühender Blechbläserpracht und einer triumphalen Melodik. Das brachte sofort begeisterten Applaus ein und mehrere Auf- und Abgänge für den Dirigenten.

Einen ganz anderen romantisch-düsteren Charakter verlangte die folgende Robert-Schumann-Ouvertüre zu Schillers Trauerspiel "Die Braut von Messina". Kürzlich stellte das Theater Magdeburg mit großem Erfolg die Oper "Die Braut von Messina" des tschechischen Opernkomponisten Zdenk Fibich als Deutsche Erstaufführung vor.

Schumanns selten gespielte Konzertouvertüre kommt aus der c-Moll-Grundtonart nicht wirklich heraus. Die Philharmoniker erarbeiteten sich die deutlichen Charakterkontraste, allen voran die lyrisch-kantablen Holzbläser im Kontrast zu den aufbrausenden 32stel-Bewegungen der Violinen, und boten somit ein packendes Konzertstück. Mit dem von heiterer Naturidylle geprägten Violinkonzert G-Dur des Brahmsfreundes Hermann Goetz übernahm der Magdeburger Konzertmeister Yoichi Yamashita abermals eine solistische Aufgabe.

Jüngst erlebte das Konzertpublikum erst das 2. Klavierkonzert des fast vergessenen Romantikers. Nun das formal einsätzige Violinkonzert - eher eine Fantasie für Violine und Orchester, die eine ähnliche süße Lyrik hat wie Bruchs Violinkonzert. Jedoch hebt es sich deutlich von den Solo-Konzerten des 19. Jahrhunderts ab, die virtuose Präsentation der Violine gerät fast völlig in den Hintergrund. Yoichi Yamashita konzentrierte sich deshalb auf die dezente melodiöse und tonbildende Entfaltung. In der längeren Solokadenz konnte Yamashita dann interpretatorisch auftrumpfen und diese mit imposanten Oktavgriffen und Triller-Linien in eine effektvolle Coda münden lassen. Dem Orchester bot Daniel Huppert an den entsprechenden Stellen, an denen die Solovioline pausierte, genug Raum für Brillanz und Ton. Durch die imposante satztechnische Dichte bestach dieses kurze Solokonzert dennoch als angenehme Alternative zu den üblichen Brillanz-Konzerten.

Den Wagnerschen Rahmen des Sinfoniekonzertes schlossen eigens vom Dirigenten Daniel Huppert zusammengestellte instrumentale Ausschnitte aus dem Bühnenweihfestspiel "Parsifal" - dem letzten Werk des Bayreuther Meisters. So die Vorspiele zu den drei Aufzügen sowie Verwandlungsmusik und Karfreitagszauber. Ein entrückender Klangsog beginnend durch das Unisono der Violinen, der Celli, Englischhorn und Fagott. Ein toller anschwellender Blechbläserchor mit Klarinetten und Fagott - von Ferne näher kommendes (Kirchen-)Glockengeläut (digital eingespielt?). Huppert war ein "Arbeiter", immer mit direktem Bezug zu den Musikern. Solo-Oboe und -klarinette konnten schön sensibel bleiben, die Hörner satt mit innerer Ruhe. Der Karfreitagszauber mit zelebrierendem Blech und abermals Glocken.

Das war pures Musikdrama. Die Räume der tonalen Schichtungen ergründend gab man sich gern den leitmotivischen Klangwelten Wagners hin und erspürte deren Kräfte. Bravo.