Magdeburg l Die amerikanische Gastdirigentin Miriam Burns wurde direkt und ausschließlich nach Magdeburg eingeflogen. 2003 gastierte sie in Wuppertal und nun offenbar erst zum zweiten Mal überhaupt in Deutschland. Doch irgendwie wollte mit der Magdeburgischen Philharmonie die Verständigung nicht richtig funktionieren.

Am Beginn des Programms stand Richard Strauss` sinnfreudige und kraftstrotzende Tondichtung "Don Juan". Bereits die ersten Takte klapperten, obwohl die Musiker hochkonzentriert waren. Die Himmelsstürmer-Läufe schwammen, dabei ist dies Probespielliteratur für Orchestermusiker. Besonders die Violinen dürfen nicht lange rumfackeln, sondern müssen geigen, was das Zeug hält. In großer kompositorischer Architektur vereinen sich hier Extremgeschwindigkeiten, Fortissimo und musikalische Vulkanausbrüche.

Die Crux schien im unkonkreten und damit missverständlichen Dirigat zu liegen. Miriam Burns - einst von keinem Geringeren als Kurt Masur an die New Yorker Philharmoniker als "Cover Conductor" verpflichtet - ist derzeit Musikdirektorin des McLean Orchestra (Virginia) und leitet das Orchestra of the Redeemer in New York. Zweifelsohne hat Burns Erfahrungen eines breiten Spektrums an Orchester- und Opernliteratur. Doch hier stimmte die Chemie nicht. Dennoch überzeugten ein eng beieinander liegendes Blech und die Streicher mit einem dicht gewebten Klangteppich, das Solohorn leidenschaftlich lyrisch sowie die Horngruppe bravourös in einem schmetternden Unisono, respektive der gelegentlichen zarteren farbigen Holzbläsereinwürfe.

Mit fünf charaktervollen Rückert-Liedern von Gustav Mahler sorgte Lucia Cervoni (Mezzosopran) aus dem gut besetzten Gesangsensemble des Opernhauses für Begeisterung. Mit hervorragender Textverständlichkeit und einem warmen, runden und breit angelegten Timbre formte sie die engelhafte Schönheit und intime Schlichtheit, die Mahler den Rückert-Texten klanglich nachempfand. Zwei Beispiele: "Um Mitternacht" - völlig ohne Streicher, aber die bezaubernde Holzbläserbegleitung in tieferen Lagen und Cervonis gebildeter dunkler Mezzosopran harmonierten einfach, bevor Blech, Pauke und Harfe ein göttliches Aufblühen formten.

Rücksichtsvoll Freiraum gelassen

"Ich bin der Welt abhanden gekommen" - welch zarte Stimmung intonierte das Englischhorn, gemeinsam mit Harfe, Fagotti und Klarinetten, bevor die Streicher gedeckt einstimmten und Cervoni die Töne im Melodiefluss zelebrierte. Burns ließ ihr rücksichtsvoll Freiraum dazu. Das war großartig.

Irgendwie losgelöst vom Gesamtkonzept erklang danach Joseph Haydns letzte Sinfonie, Nr. 104 D-Dur. Das hätte richtig Arbeit bedeutet im Hinblick auf Struktur, Dynamik und Affekte. Bei Haydn besteht die Einheit in der Mannigfaltigkeit, eine Reprise ist eben weder eine Wiederholung noch eine Steigerung, sondern etwas Eigenes. Da war die gestische Führung von Miriam Burns zu einseitig. Auch die unverhofften motivischen Abrisse hätten einer direkten Ansprache bedurft.

Den Strauss-Rahmen schloss am Ende noch kurz Salomes "Tanz der sieben Schleier" aus der Oper "Salome". Dabei ließ Burns die Holz- und Blechbläser mit ihren Einsätzen ziemlich allein. Auch die Energien in den großen Streicherbögen und den Rubati wie Accelerandi schwammen wieder.

Der Trampelapplaus war an diesem Abend nicht gerechtfertigt.