Der Schauspieler und Parodist tritt in seiner Rolle als Gernot Hassknecht am 29. Mai im Alten Theater Magdeburg auf.

Keiner brüllt so schön wie Gernot Hassknecht, alias Hans-Joachim Heist. Im Gegensatz zu seiner Figur des cholerischen Kommentators in der "ZDF Heute Show" ist Heist privat entspannt, sagt er im Volksstimme-Interview mit Reporterin Elisa Sowieja. Meistens zumindest.

Herr Heist, wie viele Blutdruck-Senker nehmen Sie eigentlich pro Tag?
Hans-Joachim Heist:
Das ist eine gute Frage. Eigentlich habe ich mit meinem Blutdruck keine großen Probleme.

Dann neigt Hans-Joachim Heist nicht zu Wutanfällen wie Gernot Hassknecht?
Nein, privat bin ich eher so ein Heinz-Erhard-Typ, mit Schalk im Nacken. Natürlich kann ich auch laut werden. Aber als Choleriker möchte ich mich nicht bezeichnen. Bei diesen Wutausbrüchen vor der Kamera und auf der Bühne muss sich keiner Gedanken machen. Ich habe mit meinem Arzt darüber gesprochen. Das ist wie bei einem Leistungssportler: Wenn er seine Spitzenleistung abruft, geht der Puls auch hoch. Solange er anschließend wieder runtergeht, ist das in Ordnung.

Nun weiß nicht jeder, dass Sie privat kein Choleriker sind. Wie oft zucken Menschen zusammen, wenn Sie ansetzen sich zu beschweren?
Es gibt immer Leute, die auf mich zukommen und als Erstes sagen: "Aber bitte nicht anschreien!" Das erlebe ich zum Beispiel oft am Flughafen oder am Bahnhof. Sie wollen mich eben ansprechen und eventuell auch ein Selfie mit mir machen.

Haben Sie das Gefühl, dass manche ihre Bitte ernst meinen und Sie mit der Figur gleichsetzen?
Es gibt einige, die mich als Gernot Hassknecht ansprechen und nicht wissen, dass das nur mein Rollenname ist. Sie halten mich für einen echten Journalisten, der seinen Kommentar in der "Heute-Show" abgibt. Aber das ist kein Problem für mich.

Wann werden Sie denn auch privat mal zu Gernot Hassknecht?
In letzter Zeit werde ich das immer öfter im Auto. Ich glaube, das liegt daran, dass der Verkehr immer mehr wird. Und ich glaube, es liegt auch daran, dass wesentlich mehr Idioten auf der Autobahn unterwegs sind. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich im Auto anfange, ganz wüst zu schimpfen.

Dann hatten Sie es während Ihres Schauspiel-Studiums wohl nicht leicht. Das haben Sie sich mit Taxifahren finanziert.
Damals war es noch nicht so schlimm, mit zunehmendem Alter kommt das bei mir öfter. Außerdem war vor 40 Jahren der Verkehr noch nicht so wild. Das Studium mit Taxifahren zu finanzieren, war sehr interessant, weil ich Zeit hatte, Menschen zu beobachten und während der Wartezeiten Textbücher lesen konnte.

Sie waren bis 2011 Stadtverordneter. Wie oft haben Sie da den Hassknecht raushängen lassen?
Einige Kollegen haben schon mal gesagt: "Komm, jetzt lass mal den Hassknecht raus!" Aber da habe ich mich sehr zurückgehalten. Hassknecht ist Hassknecht, eine Fernsehfigur. Sie hat bei den Stadtverordneten nichts zu suchen.

Wie schwierig ist es denn, im Fernsehen oder auf der Bühne auf Knopfdruck auszurasten?
Das ist nicht schwierig. Man lernt schon in der Schauspielschule, von null auf hundert zu kommen. Der eine Kollege kann es besser, der andere weniger gut. Das ist glaube ich auch eine Sache der Anlagen. Bei mir klappt es wunderbar, und das ist für die Rolle sehr gut.

In Ihrem Live-Programm geben Sie Tipps, wie man zum Choleriker wird. Verraten Sie mir doch bitte einen vorab!
Da gibt es viele Möglichkeiten. Mein Programm ist ja eine Parodie auf diese "Tschakka"-Leute, die auf die Bühne springen und erklären wollen, wie ich reich, schön und glücklich werde. Politik ist bei Hassknecht natürlich ein großer Abschnitt. Darüber kann man sich immer aufregen, genau wie über die Familie. Ein großes Thema ist auch die Ernährung: Ein grundsätzlich gereiztes Wesen, sagt er, erreicht man nur durch eine Ernährung, die Magen und Darm ausreichend reizt. Hassknecht macht mit dem Publikum sogar ein autoaggressives Training. Was dabei passiert, möchte ich aber nicht verraten.

Haben Sie den Teil mit der Familie vorab vor Ihrer Frau geübt?
Ich habe das gesamte Programm vor meiner Frau geübt. Sie ist eine sehr kritische Zuschauerin. Und sie ist immer die Erste, die ich frage: "Ist das gut?" Wenn ich merke, es gefällt ihr, weiß ich, es kommt auch beim Publikum an.

Braucht das eigentlich Ohropax?
Nein. Es wird zwar Ausraster geben, aber nicht zwei Stunden lang. Das hält der Zuschauer nicht aus, und meine Stimme auch nicht.

Herr Heist, ich habe zum Schluss eine Bitte: Würden Sie mir die Ehre erweisen und mich einmal als Gernot Hassknecht zur Sau machen?
Das kann ich gern tun. Ich finde, das war ein sehr, sehr nettes Gespräch, Elisa. Sie haben eine ganz zauberhafte Stimme. ABER VERDAMMT NOCH MAL, SIE SOLLTEN NOCH MAL AUF DIE JOURNALISTENSCHULE GEHEN! SOLCHE SCHEISS-FRAGEN HABE ICH JA SCHON LANGE NICHT MEHR GEHÖRT!