Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Genau genommen waren es ein Prinz und eine Forelle, welche zum Kammerkonzert im Gartensaal des Magdeburger Gesellschaftshauses eine Rolle spielten. Der Prinz war Louis Ferdinand Prinz von Preußen (1772-1806), ein ausgezeichneter Klaviervirtuose, Verehrer von Beethoven und Komponist. Dessen Quartett f-Moll für Klavier, Violine, Viola und Violoncello stand im Mittelpunkt der Kammermusik, die das Magdeburger Rossini-Quartett gemeinsam mit dem Pianisten Hermann Müller am Sonntagnachmittag spielte.

Zuvor erklang eines der Stücke, die vor über 15 Jahren zur Namenswahl des Magdeburger Rossini-Quartetts führten. Gioacchino Rossini hat in jungen Jahren mit seinen sechs Sonaten a quattro Streichquartette für die ungewöhnliche Besetzung für zwei Violinen, Violoncello und Kontrabass komponiert. Um diese schönen Werke voller Melodien überströmender Leichtigkeit und Charme aufzuführen, hatten sich mit Wolfram Wessel am Kontrabass und dem Geiger Marco Reiß noch zwei weitere Musiker des städtischen Orchesters zum Quartett gefunden, das zum festen und vielseitigen Kammermusikensemble (mit zum Teil erheblich erweiterter Besetzung) wurde.

Die erste dieser sechs Sonaten erklang auch wieder am Sonntag im völlig ausverkauften Gartensaal. Heute gehört der Cellist Marcel Körner zur Stammbesetzung, und als Gast spielte Barbara Hentschel die erste Violine. Rossinis geniales Jugendwerk begeisterte auch jetzt wieder das Publikum, vor allem auch deswegen, weil ausgezeichnet musiziert wurde. In der Akustik des Gartensaals mit seiner gewölbten Holzdecke entsteht ein offener, bis zum höchsten Diskant durchhörbarer Klang, in dem aber vor allem die Bässe besonders warm und schmeichelnd klingen.

Beim Quartett des Preußen-Prinzen eine andere Besetzung. Ingo Fritz spielte die Viola und Hermann Müller war am Klavier zu erleben. Das noch wenig bekannte Werk erinnert in manchem an Beethoven, trägt aber durch seine zum Teil ausschweifende Themenbehandlung, seine melancholischen Stimmungen und auch schon kühnen Modulationen bereits romantische Züge. Das Klavier hat meist den führenden Part, und Hermann Müller gelingt eine hinreißende Tongebung, klanglich subtil und vor allem im Diskant perlend, leuchtend. Aber auch das Streichertrio begeisterte vor allem im sehr gefühlvollen Adagio mit exquisitem Klang.

Nach der Pause kam die Forelle zu ihrem Recht. Schuberts großes Quintett A-Dur op. 114 gehört seit langem mit Müller am Klavier zu den Bravourstücken des Ensembles, und es gelang eine Aufführung, die keine Wünsche offen ließ.